Berlin - Fast schon erwartungsgemäß, so muss man es leider sagen, landen die Berliner Viertklässler beim bundesweiten Bildungstrend-Vergleichstest in Deutsch und Mathematik in der Schlussgruppe. Unter 16 Bundesländern kam Berlin in Mathematik, Lesen und Rechtschreibung auf Platz 15, beim Zuhören war immerhin Platz 14 drin.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) suchte am Freitag aber die ganz kleinen Erfolge und betonte, dass sich die Berliner Schüler etwa beim Zuhören gegenüber den Vergleichstest von vor fünf Jahren sogar leicht verbessert hätten und ansonsten konstant geblieben seien. Westdeutsche Flächenländer wie Baden-Württemberg dagegen hätten einen deutlichen Leistungseinbruch hinnehmen müssen. „Damit können wir uns aber nicht zufrieden geben“, so Scheeres. Angesichts der zahlreichen Reformbemühungen Berlins erscheint das Ergebnis dennoch frustrierend, vor allem, wenn man feststellt, dass etwa jeder dritte Viertklässler in Rechtschreibung noch nicht einmal die Mindeststandards erreicht.

„Auch in Zeiten des Fachkräftemangels gehören die korrekte Anwendung von Sprache, eine gute Lesekompetenz und Mathebasiswissen zu Schlüsselkompetenzen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben“, sagte Marion Haß, Bildungsreferentin der Berliner Industrie- und Handelskammer. Die Gründe für die Berliner Bildungsmisere müssten genau ausgelotet werden.

„Schulen müssen sehr viel auffangen, was manche Elternhäuser nicht leisten können oder auch nicht wollen“ 

Scheeres indes begründete das insgesamt schlechte Abschneiden Berlins mit den vielen migrantischen Schülern. „In Berlin wie auch in den anderen beiden Stadtstaaten sind die zuwanderungsbedingten Leistungsunterschiede der Schüler besonders groß.“ In den Stadtstaaten würden sich die sozialen Problemlagen ballen.

Scheeres: „Schulen müssen sehr viel auffangen, was manche Elternhäuser nicht leisten können oder auch nicht wollen.“ Auffällig allerdings ist, dass die Viertklässler im Stadtstaat Hamburg anders als in Berlin deutlich besser abschnitten als noch vor fünf Jahren. Das werde man sich nun genauer anschauen, hieß es. Schulforscher wie Felicitas Thiel von der Freien Universität Berlin betonen, dass Hamburg eine Qualitätsüberprüfung aufgebaut habe. Schüler würden periodisch getestet, so dass Lehrer den tatsächlichen Lernfortschritt einschätzen und früher Fördermaßnahmen einleiten könnten.

Vor diesem Hintergrund bekommt auch ein innerhalb des rot-rot-grünen Senats strittiges Thema neue Bedeutung. Die Grünen fordern ein Qualitätspaket für die Berliner Schulen mit zusätzlichen Inspektionen und Zielvereinbarungen. Das würde zusätzliches Geld kosten, welches die SPD-Fraktion lieber zur Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit verwenden würde.

Der Handlungsbedarf ist groß in Berlin

Immerhin arbeitet man nun auch im Hause von Bildungssenatorin Scheeres an einem Modell, das für jede Schule die Abschlüsse, unentschuldigtes Fehlen, Leistungsdaten, Unterrichtsausfall und Krankheitsstand erfasst. „Die Schulleitung soll dann auf Knopfdruck sehen, woran sie arbeiten muss“, heißt es.

Der Handlungsbedarf ist groß in Berlin: Ein Fünftel der Schüler erreichte beim Lesen nicht die Mindeststandards. Mit den Anforderungen in Mathematik kam nach der Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) danach rund jeder vierte Berliner Grundschüler nicht klar. Etwas besser waren die Ergebnisse beim Zuhören im Fach Deutsch – hier scheiterte nur knapp jeder sechste Berliner Viertklässler. Nur Bremer Viertklässler schnitten noch schlechter ab. An der Spitze liegen häufig Schüler aus Bayern und Sachsen. Angesichts dieses Befundes wirkt eine weitere Nachricht des Tages etwas irritierend. Berlin und Brandenburg werden künftig die Ergebnisse der zentralen Vergleichsarbeiten für Dritt- und Achtklässler nicht mehr veröffentlichen. 

Verkürzt werden dieses Tests in Deutsch und Mathe, für Achtklässler auch in der ersten Fremdsprache Vera-Tests genannt. „Die Vergleichsarbeiten dienen der internen Unterrichts- und Schulentwicklung“, sagte Scheeres. Das sei auf der jüngsten Sitzung der Kultusministerkonferenz am Donnerstag in Berlin so festgelegt worden. Bisher hatten Berlin und Brandenburg diese Tests als einzige Bundesländer öffentlich gemacht. Das war dem damaligen Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) wichtig gewesen. Er wollte damit für Transparenz sorgen.