Berlin - Was passiert eigentlich mit den müffelnden, klebrigen Abfällen in den braunen Biotonnen? Seit gestern landen sie in den Treibstofftanks der Müllautos der Berliner Stadtreinigung – natürlich nicht in der Urform, sondern als Biogas. Das wird in einem aufwendigen Prozess durch Fermentierung der organischen Abfälle gewonnen und gleicht chemisch und vom Energiegehalt her dem Erdgas. Das Biogas wird auch ins Berliner Erdgasnetz eingespeist.

BSR-Chefin Vera Gäde-Butzlaff nahm am Mittwoch in Spandau eine neue Anlage in Betrieb, in der jährlich 60 000 Tonnen Bioreststoffe zu Treibstoff vergoren werden. Damit werden rund 150 gasbetriebene Mülllaster betankt, was nach Angaben der BSR pro Jahr rund 2,5 Millionen Liter Diesel einspart. Auch wird das Klima um 12 000 Tonnen Kohlendioxid entlastet. Die bei der Gasgewinnung übrig bleibenden festen Reste werden in der Landwirtschaft eingesetzt.

Sogar Klaus Wowereit war zur Eröffnung der 30 Millionen Euro teuren Anlage nach Spandau gereist und erfuhr von der BSR-Chefin, dass „die Zeit- und Kostenplanung stets im vorgesehen Rahmen blieb“. Wowereit lobte die Anlage als innovativen Beitrag zur Berliner Umweltpolitik. Gäde-Butzlaff betonte, dass sich die BSR ein Stück von steigenden Dieselpreisen unabhängiger mache. Auch die Grünen-Abgeordnete Silke Gebel fand lobende Worte, mahnte jedoch an, die bei der Gasproduktion anfallenden klimaschädlichen Lachgas- sowie Methanemissionen genau zu messen und gegebenenfalls zu minimieren. Außerdem müsse die Biomüllsammlung ausgeweitet werden. Berlin sei dabei nämlich bundesweit Schlusslicht.