Berlin/Brandenburg - Drei Wochen lang lauerte Heimleiter Thomas Korbjuhn täglich gegen Mitternacht vor seinem Laptop und wartete auf den Anbruch des neuen Tages. Punkt zwölf hackte er in seine Tastatur, um auf der Website des Deutschen Roten Kreuzes eine Bestellung aufzugeben. Korbjuhn leitet die Seniorenresidenz Procurand in Strausberg in Brandenburg – und dies war die vorgesehene Methode, mit der er für seine 150 Heimbewohner Impfdosen ordern sollte. Sekunden nach Mitternacht war es dann zu spät: Kein Zugriff mehr auf das Portal des DRK-Landesverbandes, alle Impfdosen für die nächsten 20 Tage weg. Immer waren andere schneller oder hatten mehr Glück. Seit zwei Wochen ist das Portal inzwischen abgeschaltet. Korbjuhn hat noch immer keine Impftermine in Aussicht.

Dabei trägt er Sorge für hochgradig gefährdete Heimbewohner. Der Leiter hatte in dem Heim vor einem Jahr penible Corona-Hygienevorschriften ausgerufen, trotzdem hielt das Virus Ende des Jahres Einzug, hinterließ Tote und Infizierte. Das möchte er nicht ausschmücken, vor allem aber nicht noch einmal erleben. Seit Anfang Januar ist die Seniorenresidenz Corona-frei und nichts wünschen sich Korbjuhn und seine knapp 100 Angestellten mehr, als dass es so bliebe. Die Impf-Aussicht im Dezember erschien allen als Segen.

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