Alexander Kaczmarek weiß, was jetzt kommt. Fahrgäste werden fragen: „Warum wird ausgerechnet auf meiner Strecke gebaut?“ Viele werden sich ärgern, weil sich ihre tägliche Fahrt zur Arbeit verlängert. Kaczmarek kennt die Kritik. Darum schickte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) eine Botschaft voraus, bevor er am Donnerstag über die neuen Bahnbaustellen informierte. „Wir bauen nicht aus Spaß oder aus Selbstzweck“, so Kaczmarek. „Wir bauen, damit die Berliner und Brandenburger einen Nutzen davon haben.“

Kritik gibt es auf vielen Ebenen. Lang gediente Eisenbahner weisen darauf hin, dass zu ihrer Zeit zügiger gebaut worden sei. Auch hätten sich die Baustellen oft nicht so gravierend auf den Fahrgastbetrieb ausgewirkt. Heute sei es jedoch oft nicht möglich, einen eingleisigen Betrieb aufrecht zu erhalten, so Kaczmarek. Arbeitsschutz- und andere Normen seien verschärft worden. Strecken müssen komplett gesperrt werden.

„Die Bahnkunden profitieren aber auch“

Kritik gibt es auch von Fahrgästen wie Elke Kadgien aus Karow, die sich darüber ärgert, dass die S-Bahn-Linie S 2 immer wieder unterbrochen wird. „Betroffen sind 100 000 Anwohner sowie sehr viele Mitarbeiter zum Beispiel des Helios Klinikums.“

„Die Bahnkunden profitieren aber auch“, sagte Kaczmarek. Es gehe nicht nur um den Ausbau des Karower Kreuzes, des Knotenpunkts im Nordosten. Geplant sei auch, eingleisige Abschnitte zweigleisig auszubauen. „Dadurch kommen die Fahrgäste pünktlicher ans Ziel.“

Inzwischen hat die Bahn aber auf Kundenkritik reagiert. Es geht um die nächste Sperrung: vom 6. November bis 4. Dezember zwischen Pankow, Karow und Hohen Neuendorf. Ein Expressbus soll Pankow und Karow über die A 114 verbinden. Dafür waren 13 Minuten eingeplant, „Unrealistisch“, so Kadgien. Auf der Autobahn werde gebaut. Nun sieht der Fahrplan je nach Tageszeit 14 oder 25 Minuten vor. Klar ist: Die Unterbrechung wird nicht die letzte auf der S 2 und S 8 sein. Für 2018 sind weitere Sperrungen geplant, so S-Bahner Jens Hebbe.

Auch die Fahrgäste der S 3 Richtung Erkner, die bereits viel erduldet haben, müssen sich 2018 erneut auf Schienenersatzverkehr einrichten. Im Sommer wird am S-Bahnsteig Karlshorst gebaut, im Herbst steht wieder eine Etappe am Ostkreuz an. Die Umrüstung der S-Bahn-Sicherungstechnik erfordere weitere Sperrungen, sagte Hebbe. Betroffen seien 2018 unter anderem die Strecken zwischen Lichtenberg, Wartenberg und Ahrensfelde, Anhalter Bahnhof–Wannsee, Spandau–Westkreuz und Priesterweg–Blankenfelde.

Das Warten lohnt sich

„Das Zugbeeinflussungssystem ZBS ist zuverlässiger als unser altes mechanische System“, hieß es. Auch auf der S 7 im Südwesten wird ZBS eingebaut. Dort bekommt der Abschnitt Babelsberg–Potsdam zudem ein zweites Gleis – was den S-Bahn-Verkehr ab 2019 verbessert. Der Ostkreuz-Umbau wird den Fahrgästen im Umfeld auch in diesem Jahr Schienenersatzverkehr bescheren – im November zwischen Ostbahnhof, Lichtenberg und Karlshorst.

Dort wird die Eröffnung der Südkurve vorbereitet, auf der ab 10. Dezember die S 9 fährt. Die 2009 gekappte Direktverbindung zwischen Schönefeld, Adlershof, Schöneweide und Spandau wird damit wieder hergestellt. Kaczmarek: „Auch davon werden viele Fahrgäste profitieren.“Ihr Warten hat sich gelohnt.