Die Kleinstadt Lebus an der Oder hat einen hohen Verschleiß an Bürgermeistern: Nach dem Rücktritt zweier Stadtoberhäupter seit 2016 wurde jetzt der AfD-Mann Detlev Frye (53) übergangsweise von der Stadtverordnetenversammlung in das Ehrenamt gewählt - angeblich mit den Stimmen aus der Linken und der CDU. Das sorgt in der CDU, vor allem aber innerhalb der Linken für Ärger, weil Lebus jetzt den ersten AfD-Bürgermeister Deutschlands hat.

Anja Mayer, Landesgeschäftsführerin der Linken, verbreitete einen Beschluss des Landesvorstands: „Die beiden Stimmen für den AfD-Bürgermeister kamen nicht von der Linken, sondern von Parteilosen, die über unsere Liste in die Gemeindevertretung gewählt wurden. Es gibt dort keine Fraktion. Wir haben uns klar davon distanziert.“ Die Stadtverordneten Michael Karcher und Michael Buchheim wurden aufgefordert, ihre Mandate niederzulegen.

Keine Ambition für politische Karriere

Der parteilose Michael Buchheim ist empört: „Man sollte mit solchen Bemerkungen vorsichtig sein, weil es eine geheime Abstimmung war“, sagte er der Berliner Zeitung. Seine und Karchers Wahlentscheidung könne also niemand kennen: Von 13 anwesenden Stadtverordneten hätten zehn für und immerhin drei gegen Frye gestimmt. Der mache gute kommunalpolitische Arbeit, schwinge keine völkischen Reden und strebe keine politische Karriere an.

Joachim Naumann, der Vertreter der CDU in der Stadtverordnetenversammlung, begründet die Wahl Fryes damit, dass der Betrieb weitergehen müsse. Die AfD-Mitgliedschaft sei kein großes Thema für das Stadtparlament gewesen – für mehr Aufregung habe der Plan gesorgt, das Amt Lebus mit den umliegenden vier Ämtern zu einer „Modellgemeinde“ zusammenzuschließen. Das hätten die Stadtverordneten dann auch abgelehnt.

Bunte Allianzen für die Bürgerinteressen

Buchheim und Naumann sagten einhellig, dass man sich in der von Bürgerbündnissen dominierten Stadtverordnetenversammlung nicht um Parteipolitik schere, sondern in bunten Allianzen für die Bürgerinteressen einsetze.

Naumann wies gleichzeitig Kritik der Landes-CDU an der Entscheidung zurück: Die Partei solle sich lieber mal mit der AfD in der Region auseinandersetzen. Frye, Mitglied des Kreistags und seit 2014 Stadtverordneter in Lebus, soll bis Februar formal als stellvertretender Bürgermeister im Amt bleiben, wenn die Stadtverordnetenversammlung 2018 erstmals zusammentritt.

Vorgängerin wegen Auseinandersetzungen mit Stadtverordneten zurückgetreten

Dann soll endgültig ein Bürgermeister gewählt werden, der bis zum Ende der Legislaturperiode 2019 im Amt bleibt. Das könnte wieder Frye werden, der sich mit der Bemerkung in Stellung gebracht hatte, man wähle ja eine Person und keine Partei zum Bürgermeister.

Das Lebuser Bürgermeister-Ringelreihen hatte 2016 begonnen, als der 2014 auf fünf Jahre gewählte Herbert Radtke (Bürger für Lebus) nach Auseinandersetzungen mit den Stadtverordneten zurückgetreten war. Seine Nachfolgerin Britta Fabig hielt bis 1. November 2017 durch.

Erste Amtshandlung vollbracht

Sie hörte angeblich auf, weil sie wieder eine Vollzeitstelle bekam, das Ehrenamt als Bürgermeisterin nicht mehr bewältigen konnte. Nachrücker von Bürger für Lebus fielen gleichfalls aus, so dass ein Übergangs-Stadtoberhaupt für die gut 3000 Lebuser gefunden werden musste.

Detlev Frye, bis 2013 CDU-Mitglied und ehemaliger Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag, ist freier Journalist. Seine erste Amtshandlung hat er schon hinter sich: Am 11. 11. um 11:11 Uhr übergab er den Lebuser Karnevalisten beim Sturm auf das Rathaus mit Finanzausschuss-Vorsitzenden Monika Fritz die Schlüssel und die (leere) Stadtkasse.