Die Prinz-von-Homburg-Schule mit angeschlossener Grundschule im brandenburgischen Neustadt (Dosse). Sie bleibt wegen des Coronavirus geschlossen.
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Neustadt (Dosse)Ohne Jasmin Zumwinkel läuft zur Zeit nichts in der Amtsverwaltung der Region Neustadt (Dosse). Große Teile der Bevölkerung wurden wegen des weiter um sich greifenden Coronavirus unter häusliche Quarantäne gestellt. Von den fast 8 000 Anwohnern des Amtsbereichs sind 2 250 betroffen. Das teilte der Landkreis Ostprignitz-Ruppin am Abend mit. Die isolierten Menschen sind demnach über mehrere Landkreise Brandenburgs und weitere Bundesländer verteilt. Der Landkreis distanzierte sich damit zugleich von zuvor genannten deutlich höheren Zahlen. Der Amtsdirektor der Kleinstadt hatte von 4 000 bis 5 000 Menschen in häuslicher Quarantäne gesprochen.

Auslöser ist eine Berlinerin

Die mögliche Infektionskette in Neustadt, der berühmten Pferdestadt in Nordbrandenburg, sieht bisher folgendermaßen aus: In einem der beiden Pferdeinternate der Stadt fand vergangenen Montag eine mehrstündige Beratung mit 19 Teilnehmern statt. Dabei waren Mitarbeiter des Haupt- und Landgestüts und vor allem  Lehrer der Prinz-von-Homburg-Schule. Am Sonnabend wurde bekannt, dass eine Berlinerin aus dieser Runde positiv auf Corona getestet worden ist.

Daraufhin stellte das Gesundheitsamt des Landkreises sicherheitshalber die 18 direkten Kontaktpersonen der Runde unter häusliche Quarantäne. Sie wurden auch getestet. Am Sonntag wurden auch deren Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt. „Da bei der Beratung auch eine Mitarbeiterin der Amtsverwaltung dabei war, darf niemand, der mit ihr in der vergangenen Woche dienstlich Kontakt hatte, in dieser Woche arbeiten“, sagt Jasmine Zumwinkel. Alle 34 Leute und der Amtsdirektor sitzen nun zu Hause. „Nur ich halte hier die Stellung, weil ich an dem Tag frei hatte.“

Dieter Fuchs, der Amtsdirektor von Neustadt, ist am Montag zu Hause und deshalb nur über Telefon erreichbar. Er erzählt, wie die Zahl zustande kommt. Denn die Stadt selbst hat nur etwa 3 500 Einwohner, aber es kommen viele aus der Region wegen der Pferdeinternate.

„Die Prinz-von-Homburg-Schule mitsamt Grundschulteil und Hort für 730 Schüler ist bis einschließlich 17. März geschlossen“, sagt er. Dazu kommen  75 Lehrkräfte sowie weitere Mitarbeiter. Dann ist die Außenstelle einer Förderschule mit 35 Schülern geschlossen und die Amtsverwaltung sowie die zwei Reitinternate.

Bald kommt Fuchs am Telefon auf die Vorsichtsmaßnahmen zu sprechen. „Wir appellieren an die Leute, sich auch daran zu halten“, sagt der Amtsdirektor, „denn wir haben kein Personal, um die Einhaltung der häuslichen Quarantäne zu überprüfen.“ Einige der Mitarbeiter machen immerhin Homeoffice, aber nicht alle hätten zu Hause einen Zugang zum internen Computersystem. Deshalb hat Fuchs auch das Nachbaramt Wusterhausen gebeten, in absoluten Notfällen Amtshilfe zu leisten.

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„Morgen komme ich wieder“

Alle Betroffenen bekommen nun von der Kreisverwaltung, die die Quarantäne verhängt hat, eine entsprechende Bescheinigung, die die Bürger dann beim Arbeitgeber vorlegen können. In Brandenburg sind derzeit vier Coronafälle nachgewiesen. Die Gesamtzahl der Menschen in Quarantäne ist nicht bekannt.

Jasmin Zumwinkel erzählt, dass die Anrufe aller Mitarbeiter der Amtsverwaltung auf ihr Telefon umgeleitet sind. „Ich habe heute den ganzen Tag telefoniert, um die Leute zu beruhigen“, sagt die 25-Jährige. „Morgen komme ich wieder, dann bin ich die Einzige hier, und versuche, ganz normal meine Arbeit zu machen.“