Jugendliche feiern eingehüllt in weiße Laken, gesehen in der Alten Jakobstraße.
Foto:BLZ/Sabeth Stickfort

Berlin- Montagmittag, in der warmen Frühlingssonne, lief es mir einen Moment lang kalt den Rücken hinunter. In der Grünanlage nahe unseres Verlagshauses in der Kreuzberger Alten Jakobstraße hatten sich Mädchen und Jungs der Generation Sorglos versammelt.

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Da tobt eine laute, alkopopfeuchte, von Techno-Bässen begleitete und ausgesprochen körperbezogene Party. Dem jugendlichen Alter – so zwischen 14 und 17– der Gäste nach handelt es sich um eine Hurra-Schulfrei-Party. Etliche haben sich, wie kreativ, ein weißes (Toten-) Laken um den halbnackten Körper gewickelt, ganz so wie in den Altargemälden Alter Meister oder im Stile der antiken Philosophen. Andere setzen sich einen eilig selbstgebastelten Kopfschmuck, eine Art (Corona)-Kugel, auf. Tanzen, Lachen, Trinken. Passanten meinen, da sei wohl schon eine vorzeitige Abitur-Fete im Gange.

Auf jedwede Mahnung wird mit Kreischen, Buhrufen und Gelächter reagiert. Ein Mädchen mit einer rosa Lillifee-Krone im Haar nennt mich „Spaßverderber-Tante“, sagt, das sei doch „nur eine Themen-Party“ und zeigt mir fröhlich den Vogel. Der zum Jung-Sein gehörende Übermut sei ja auch von Herzen gestattet, wenn die Situation nicht so prekär wäre.

Auch der Park ist kein Partyort

Bezeichnenderweise nämlich ging die spontane Party ab, kurz nachdem die Warnung des Robert-Koch-Instituts (RKI) über die Medien und die sozialen Netzwerke gesendet worden war; gar bekannt wurde, dass republikweit auch die Geschäfte geschlossen werden sollen, unbedingt von Partys und Feiern abzusehen und die Schließung von Clubs, Diskotheken, Jugendtreffs im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus zu akzeptieren sei. Was heißt: Auch nicht daheim oder im Park vielköpfig zu feiern.

RKI-Vize-Präsident Lars Schaade betont nachdrücklich: „Ich sage das deshalb, weil es inzwischen sogenannte Corona-Partys gibt, nachdem die Clubs geschlossen wurden.“ Das sei im Sinne der Eindämmungsbestrebungen kontraproduktiv, gar gefährlich. Denn auch in Berlin steigt die Zahl der Infizierten permanent an. Auch unter jungen Leuten, so schwer es auch falle, müsse das Gesellschaftsleben so weit wie möglich eingeschränkt werden.

Die „Themen-Party“ an der Alten Jakobstraße wurde übrigens von Polizeibeamten freundlich beendet. Die jungen Leute trollten sich sogar, ohne zu murren, heim.