Berlin - Fehler in der Stadtplanung lassen sich leider nur sehr schwer korrigieren – selbst wenn sie gravierende Folgen haben, wie die Hochhauspläne für den Alexanderplatz. Fast 30 Jahre ist es her, dass Architekt Hans Kollhoff den städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes gewann. Das Fatale des Entwurfs war, dass für den Bau von bis zu zehn 150 Meter hohen Hochhäusern viele bestehende Gebäude aus der DDR-Zeit abgerissen werden sollten. Darunter das Haus des Reisens, das Haus der Elektroindustrie und das heutige Hotel Park Inn – allesamt wichtige Zeugnisse der DDR-Moderne. Respekt? Keine Spur. Alle Grundstückseigentümer wurden mit einem bodenwerterhöhenden Neubau-Plan gleich gut bedacht.

Es war ein Glück, dass die alten Gebäude so gut vermietet waren, dass ein Neubau für die Eigentümer nicht in Betracht kam. So machte der Abriss-Wahn einen Bogen um den Alex. Bis vor einigen Jahren Gebäude wie das Haus des Reisens und das ehemalige Haus des Berliner Verlags mit dem Pressecafé unter Denkmalschutz gestellt wurden. Das war richtig, aber nicht ausreichend. Denn das ehemalige Haus der Elektroindustrie, das als langer Büroriegel das Gesicht der Alexanderstraße prägt und damit zu den denkmalwürdigen Bestandsbauten gehört, wurde nicht unter Schutz gestellt. Es soll nach den überarbeiteten Plänen zwei Hochhäusern weichen. Das sollte verhindert werden. Der Riegel muss ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt werden, um das gesamte Ensemble zu bewahren.

Zur Rücksichtnahme auf die DDR-Architektur gehört zudem, dass sich die neuen Türme respektvoll ins Stadtbild fügen und den Blick auf den Fernsehturm so wenig wie möglich verstellen. Das bedeutet konkret: Die Türme sollten allenfalls 130 statt 150 Meter in den Himmel ragen. Besser noch wäre eine völlig neue Diskussion über eine maßvolle Gestaltung des Alexanderplatzes.