Berlin - Ein dumpfer Knall. Kurz darauf zwei weitere. Fensterscheiben zerspringen. Es sei gegen vier Uhr am Nachmittag gewesen, als die Sprengsätze vor ihrer früheren Schule im Westen von Kabul explodierten, erzählt Maryam*. Die 17-Jährige ist mit einem weinroten Kopftuch auf dem Smartphone-Display zu sehen und spricht fast ohne Pause. Sie ringt um die englischen Vokabeln, wiederholt sich immer wieder. Vielleicht ist es ihre Art, das Geschehene zu verarbeiten. Die Autobombe und die zwei Minen, sagt sie, hätten viele ihrer Schulkameradinnen getötet. Den ersten Knall habe sie von zu Hause aus gehört, die Bilder der Toten später im Fernsehen gesehen. Zwei Tage ist das nun her, mehr als 85 Menschen sind tot, etwa 150 verletzt, fast alles Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren.

Wenn Navid Yari* wie an diesem Abend im Mai mit seiner Schwester in Kabul telefoniert, ist ihm seine Familie, die er seit fast sechs Jahren nicht mehr gesehen hat, wieder ganz nah. Der 23-Jährige kam 2015 als Geflüchteter nach Deutschland und lebt in Zehlendorf. Unter seinem Fernseher im Wohnzimmer steht ein Foto seiner Mutter. Darüber an der Wand hängt ein Bild vom Brandenburger Tor, rechts davon ein blau-weißer Hertha-Schal. Er sei so deutsch geworden, haben ihm Freunde mal gesagt.

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