Berlin - Drei Minuten benötigten die Täter für ihren Einbruch im Saturn-Markt im Einkaufszentrum Zehlendorfer Welle. Sie stahlen Smartphones und Tablets im Wert von 81545,86 Euro. Die Tat ereignete sich in einer Nacht im vorigen Dezember. Mit einem gestohlenen Kleinwagen rasten die Täter um 3.58 Uhr durch die Glastür des Marktes und richteten an Türen und Fensterscheiben einen Schaden von rund 40.000 Euro an. Um 4.01 Uhr waren die vermummten Täter wieder weg – bepackt mit zwei großen Säcken, in denen sie ihre Beute aus dem Laden zu einem Fluchtauto schleppten. Die Polizei hatte in diesem Fall keine Chance.

Seit Mittwoch stehen zehn Angeklagte vor der 30. Strafkammer des Landgerichts, vier von ihnen wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls. Die Männer sollen für eine Serie von spektakulären Blitzeinbrüchen verantwortlich sein und damit laut Anklage erhebliche Einnahmen gehabt haben. Die Staatsanwältin wirft den 23 bis 27 Jahre alten Angeklagten insgesamt elf Einbrüche in Tankstellen, Büros, Einkaufscentern und einem Juweliergeschäft sowie weitere Straftaten vor. Die Männer sollen von Berlin aus deutschlandweit agiert haben. Die Angeklagten sollen blitzschnell Türen und Fenster von Geschäften und Büros aufgehebelt oder mit Vorschlaghämmern eingeschlagen haben und dort Bargeld sowie Computertechnik entwendet haben.

Fahnder einmal schneller als die Blitzeinbrecher

In drei Fällen sollen die Angeklagten äußerst rabiat vorgegangen sein. In wechselnder Tatbeteiligung sollen sie mit Fahrzeugen die Glastüren und Metallgitter von Elektronikmärkten durchbrochen und in Windeseile hochwertige Handys und Tablets zusammengerafft haben. In Lehrte etwa stahlen die Täter 130 Mobiltelefone.

Auch die Plünderung bei Saturn in Zehlendorf vom vergangenen Dezember soll auf das Konto der Angeklagten gehen. Die Tat hat frappierende Ähnlichkeit mit den Einbrüchen in den Media-Markt im Einkaufszentrum Alexa und im Apple-Store am Kudamm vom Dezember 2013. Sie werden den Angeklagten im jetzigen Verfahren aber nicht zur Last gelegt. Es werde noch ermittelt, heißt es.

Die Einbrüche verliefen so schnell, dass die Polizei meist das Nachsehen hatte. Doch dann waren die Fahnder schneller als die Blitzeinbrecher. Die Ermittler nahmen sieben Männer fest, die nun mit auf der Anklagebank sitzen. Sie sollen in der Nacht zum 29. Januar dieses Jahres versucht haben, mit einem Ford Galaxy das Gitter des Media-Marktes in einem Dresdener Einkaufszentrum zu durchbrechen. Die Polizei, die einen Tipp bekommen und die Täter bereits seit einiger Zeit beobachtet haben soll, wartete schon am Tatort.

Mammutprozess mit über 30 Beteiligten

Sechs der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft, vier der mutmaßlichen Täter wurden nach ihrer Festnahme von der Haft verschont. Nur einer von ihnen hat einen Beruf erlernt. Ahmet G., der auch bei dem Einbruch in Zehlendorf dabei gewesen sein soll, ist Mechatroniker. Einer seiner Mitangeklagten jobte für 400 Euro im Monat bei einem Sicherheitsdienst, ein anderer arbeitete im Lager eines Gemüseladens. Er ist in der vergangenen Woche Vater geworden.

Es ist ein Mammutprozess, der im großen Saal 500 stattfindet. Über 30 Prozessbeteiligte sind anwesend: Die zehn Angeklagten werden an diesem Tag von 15 Rechtsanwälten vertreten. Auf der Richterbank sitzen drei Berufsrichter und zwei Laienrichter, denen bereits eine Ersatzfrau zur Seite steht, damit das Verfahren nicht krankheitsbedingt platzt. 31 Verhandlungstage sind bisher vorgesehen.

Vielleicht aber kommt das Gericht auch zu einem schnellen Urteil. Denn nach den Worten des Vorsitzenden Richters Gregor Herb habe es bereits „Erörterungsgespräche“ zwischen den Berufsrichtern, den Verteidigern und der Staatsanwältin gegeben. So könnten die Angeklagten mit strafmildernden Umständen rechnen, sollten sie Geständnisse ablegen. Demnach hätten zwei Angeklagte die Chance, mit Bewährungsstrafen davonzukommen. Die anderen Beschuldigten müssten mit Haftstrafen von höchstens vier Jahren und zwei Monaten rechnen.