Blitzeinbrüche in Elektromärkten: Erst durch die Scheibe, dann in den Knast

Berlin - Ihre Masche war immer die gleiche: Mit einem gestohlenen Auto rammten sie die Glastüren großer Elektronikmärkte ein. Dann rafften sie teure elektronische Geräte zusammen und flüchteten mit einem bereitstehenden zweiten Auto. So passierte es unter anderem im Dezember im Einkaufszentrum Alexa in Mitte, bei Saturn in Zehlendorf und im Apple-Store am Kurfürstendamm.

Einen solchen Blitzeinbruch versuchten sieben Kriminelle in der Nacht zum Donnerstag in Dresden. Gegen 2.20 Uhr durchbrachen sie im Einkaufszentrum Elbepark mit einem Ford Galaxy die Glastüren. Dann fuhren sie mitten durch das Einkaufszentrum und krachten gegen das Gitter eines Media-Marktes. Genau so spielte sich eine ähnliche Tat im Dezember am Media-Markt im Alexa in Mitte ab.

Nur: Dieses Mal ging es schief. Spezialeinsatzkräfte des Landeskriminalamts Sachsen und ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) aus Berlin waren nämlich schon da. Die Beamten nahmen Eyüp R. (20), Riadh A. (23), Fawaz A. (24) und Mahmoud I. (26) auf frischer Tat fest.

Die drei anderen Täter konnten zunächst flüchten. Sie sprangen in einen weißen Audi A7. Als sich ihnen ein Polizeiauto des Berliner MEK in den Weg stellte, rammten sie sich den Weg frei und rasten davon. Das Polizeiauto wurde dabei erheblich beschädigt, ein Beamter leicht verletzt. Ein Polizist gab noch einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Am Tatort ließen die Täter eine Axt und eine Machete liegen. Auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums hatten die Täter noch einen Audi A 8 zurückgelassen. Er und der Ford wurden beschlagnahmt. Die Polizei geht davon aus, dass die Fahrzeugen gestohlen sind.

Die drei entkommenen Täter flüchteten in hohem Tempo über die Autobahn A13 nach Cottbus. Bei normaler Verkehrslage benötigt man als Autofahrer mehr als eine Stunde. Die Täter schafften es in der Hälfte der Zeit. Kurz nach 3 Uhr fanden Polizisten das leere Fluchtauto, das ein Senftenberger Kennzeichen hatte, auf einem Mieterparkplatz an der Lipezker, Ecke Jänschwalder Straße.

Dummheit wurde zum Verhängnis

Bei der Absuche des Wohngebietes entdeckten die Polizisten die drei Verdächtigen, die die Lipezker Straße überquerten und beobachteten sie weiter.

Ihre eigene Dummheit wurde dann den drei Verdächtigen im Alter von 24 und 25 Jahren zum Verhängnis: Gabriel K., Tolgan C. und Chawan S. sprachen die Polizisten selbst an. Zwei Berliner Fahnder in Zivil waren in der Gegend unterwegs. Kurz vor halb vier kam das Trio zu ihnen: „Ein Bekannter hat uns versetzt, und der nächste Bus kommt erst sehr spät“ sagten sie und baten die Zivilpolizisten um ein Handy, um ein Taxi rufen zu können. Das lehnten die Beamten ab und verwiesen auf eine Telefonzelle. Nun bot einer der Drei den Beamten 50 Euro an, und wollte sich von ihnen zum Hauptbahnhof fahren lassen. Als die Beamten auch das ablehnten, gingen die drei Verdächtigen weiter. 20 Minuten später nahmen Berliner SEK-Beamte die drei Männer fest.

Ein V-Mann gab den Tipp

Nach Informationen der Berliner Zeitung hatte ein bezahlter V-Mann aus der kriminellen Szene vor zwei Wochen der Polizei einen Tipp zur Einbrecherbande gegeben. Fortan hatten die Fahnder die Täter im Blick. Sie hörten deren Telefone ab, observierten sie auf Schritt und Tritt. Sie waren dabei, als die Täter in Baumärkten Einbruchsutensilien wie einen Vorschlaghammer kauften.

Die Polizei glaubt, dass sie die Bande gefasst hat, die für die Blitzeinbrüche bei Mediamarkt, Apple und Saturn verantwortlich sind. So wissen die Ermittler, dass Tolgan C. zumindest beim Blitz-Einbruch in den Apple-Store am Kurfürstendamm dabei war. Die Ermittler erkannten ihn unter anderem auf den Bildern einer der Überwachungskameras wieder. Der 24-Jährige ist bereits seit mehr als zehn Jahren polizeibekannt, wegen Raubes, Diebstahls, Drogendelikten, Einbruchs, Autodiebstahls und Körperverletzung. Er wohnt noch bei seiner Mutter in der Ruppiner-See-Straße im Spandauer Ortsteil Haselhorst.

Die anderen sechs festgenommenen arabischstämmigen Täter stammen alle aus dem selben Kiez im Bezirk Reinickendorf. Zwei von ihnen wohnen im selben Haus. Alle Sieben sollen jetzt einem Haftrichter vorgeführt werden.

Ihre Taten hatte die Bande raffiniert geplant. Vor jedem Einbruch stahl sie entsprechende Autos. Bis auf die jüngste Tat mit einem Ford Galaxy verübten sie ihre Einbrüche stets mit gestohlenen Kleinwagen, die sie am Tatort zurück ließen. Für Kleinwagen entschieden sie sich offenbar, weil deren Zahl der Diebstähle viel größer ist als die von Luxus-Autos, was die Fahndung nach den Fahrzeugen erschwert. Für ihre Flucht verwendeten die Täter dagegen meist einen gestohlenen PS-starken Audi.

Die Polizei prüft, ob die Täter nicht nur mit Autos in Elektronikmärkte einbrachen sondern auf die gleiche Weise auch in mehrere Pfandleihhäuser und Juweliere.

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