Für Raser im Osten Berlins gibt es schlechte Nachrichten. Noch stehen in diesem Teil der Stadt nur wenige stationäre Blitzer – insgesamt drei. Jenseits der Frankfurter Allee findet sich derzeit kein einziges Gerät dieser Art. Aber das wird sich bald ändern. Von den zehn Blitzersäulen, die 2018 in Berlin hinzukommen, werden vier im Osten aufgestellt – eine in Mitte unweit vom Alexanderplatz und drei im Bezirk Treptow-Köpenick, der damit erstmals stationäre Blitzer erhält. „Wir veranlassen alles, dass die zehn Anlagen noch 2018 in Betrieb gehen können“, sagte Frank Schattling, der neue Leiter des Fachstabs Verkehr im Polizeipräsidium.

Momentan stehen 22 Blitzer an Berliner Straßen. Fünf Anlagen messen die Geschwindigkeit der Fahrzeuge, die an ihnen vorbeirollen. Vier Geräte kontrollieren, ob angehalten wird, wenn die Ampel rot zeigt. Weitere 13 Blitzersäulen erfassen sowohl Tempo- als auch Rotlichtverstöße.

Von den Blitzersäulen, die in diesem Jahr aufgestellt werden sollen, werden neun ebenfalls kombinierte Anlagen sein. Die zehnte, die in Heiligensee an der A111 stadteinwärts postiert wird, kontrolliert nur das Tempo, eine Ampel gibt es dort nicht.

Der Vorwurf des Abzockens sei falsch und unbegründet

Inzwischen hat das Beschaffungsverfahren für die Blitzeranlagen begonnen, berichtete Schattling. „Für alle zehn Überwachungsanlagen wurden die Standorte exakt definiert, zusammen mit Bezirken, Leitungsbetrieben und anderen Beteiligten.“ Sechs der Anlagen sind bereits ausgeschrieben. Die restlichen vier Geräte werden noch diesen Monat ausgeschrieben, sagte der Polizeidirektor.

In Treptow-Köpenick werden das Adlergestell und die Straße An der Wuhlheide erstmals Blitzersäulen bekommen – jeweils an den stadteinwärts führenden Fahrbahnen. Auch am Knotenpunkt Elsenstraße/ Puschkinallee am S-Bahnhof Treptower Park wird ein grauer Stahlzylinder mit Messtechnik aufgestellt. Der neue Blitzerstandort in Mitte wird sich an der Mollstraße in Fahrtrichtung Torstraße befinden, hieß es.

Frank Schattling ahnt schon, welche Kritik kommen wird. „Doch der Vorwurf der Wegelagerei und des Abzockens ist falsch und unbegründet“, sagte er. „Die Polizei Berlin will Autofahrer nicht abkassieren. Stationäre Blitzer sollen dort, wo es zu viele Unfälle gibt, für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Wir analysieren die Unfalllage anhand unserer Unfalldatenbank und entscheiden dann anhand dieser Analyse, wo eine stationäre Überwachung erforderlich und sinnvoll ist. Das hat mit Abkassieren wirklich nicht zu tun.“

Im kommenden Jahr werden wie angekündigt weitere Blitzer aufgestellt, kündigte Schattling an. Zwei mögliche Standorte wurden ausgewählt. Zum einen handelt es sich um den Tiergartentunnel, der zwischen Landwehrkanal und Heidestraße die Innenstadt unterquert. Dort wird häufig zu schnell gefahren, und es gab schon viele Unfälle mit Autos und Motorrädern. Für diesen Tunnel sind „schwarze Blitzer“ im Gespräch, die mit unsichtbaren Infrarotstrahlen messen. Solche Geräte stehen bereits im Britzer Tunnel (A100).

Der zweite Tunnel, der für stationäre Blitzer im Gespräch ist, führt die Autobahn A111 unter dem Flughafen Tegel hindurch. Dort könnte an der stadtauswärts führenden Fahrbahn, auf der in einer Kurve Tempo 40 gilt, eine Blitzersäule postiert werden. Noch ist allerdings nicht klar, ob nur ein Tunnel oder beide mit der Technik ausgestattet werden. Die Entscheidung werde „in Abhängigkeit von den Kosten“ fallen, kündigte Frank Schattling an.

Die Grünen fordern weitere Blitzer

Die Berliner Polizei misst das Tempo darüber hinaus auch mit mobiler Technik. Zum Bestand gehören 56 Handlasermessgeräte und 21 Verkehrsradargeräte. Videowagen sind in der Stadt ebenfalls im Einsatz – mit 23 Geräten, die während des Fahrens die Geschwindigkeit der anderen Autos feststellen.

Wie berichtet fordern die Grünen weitere Blitzer. Doch schon die für dieses und das kommende Jahr angekündigte Aufstockung wird Verwaltung und Gerichte belasten – und weiter an ihre Grenzen bringen. Weil Datenleitungen nicht in der Nähe sind oder zu wenig Kapazität haben, müssen die Daten der Blitzersäulen vor Ort von Hand ausgelesen werden. Die Datenträger werden zur Bußgeldstelle gebracht und dort bearbeitet. Oft bekommen auch Richter mit den Meldungen zu tun – wenn Autofahrer klagen. Wenn es in Berlin künftig mehr als 30 Blitzer gibt, wird auf die Beteiligten viel zusätzliche Arbeit zukommen.