Berlin - Sie ist grau und hat dunkel getönte Scheiben, die an Sehschlitze erinnern. Wer sich von ihr beobachtet fühlt, liegt richtig. Denn der graue Stahlzylinder auf dem Innsbrucker Platz in Schöneberg ist ein Blitzer, der immer dann reagiert, wenn jemand zu schnell oder bei rot fährt. Nun hat die Polizei die neunte Anlage dieser Art in Berlin offiziell scharf geschaltet, ohne dies öffentlich anzukündigen. Nach Informationen der Berliner Zeitung wurde der Kombi-Blitzer am Montag gegen 14.30 Uhr in Betrieb genommen – nachdem er ausgiebig getestet und anschließend geeicht worden war.

Mehrere Fahrspuren im Blick

Avük, automatische Verkehrsüberwachungskamera, heißt die Anlage im Polizistendeutsch. Poliscan ist der Markenname, der Hersteller heißt Vitronic. Hinter der unauffälligen Hülle verbirgt sich aufwändige High Tech – der stationäre Kombi-Blitzer in Schöneberg hat inklusive Aufbau genau 129.995 Euro und 89 Cent gekostet.

Lasertechnik sendet Infrarotstrahlen aus, wenn ein Fahrzeug auffällt, zwei Digitalkameras nehmen das Auto des Tempo- oder Rotlichtsünders ins Visier – mit besonderem Fokus auf das Kennzeichen. Von dichtem Verkehr oder Fahrern, die plötzlich den Fahrstreifen wechseln, lässt sich der Blitzer nicht verwirren. Außerdem kann er mehrere Fahrspuren gleichzeitig überwachen. In einem Bereich von 10 bis 75 Metern entgeht ihm nichts, und auch mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde käme der Poliscan Speed zurecht.

Hundert Standorte werden geprüft

Der Innsbrucker Platz, an dem sich ein Autobahn-Anschluss befindet und mehrere Hauptverkehrsstraßen zusammentreffen, gilt im Bereich der Polizeidirektion 4 als Unfallschwerpunkt. Nach dem internen Verkehrslagebild krachte es dort allein im vergangenen Jahr 75 Mal. Fehler beim Linksabbiegen spielten in 28 Fällen die Hauptrolle, auch Rotlichtverstöße wurden festgestellt.

Der neunte Berliner Kombiblitzer wird nicht der letzte sein. „Wir werden darüber nachdenken, ob wir weitere Geräte in der Stadt verteilt aufstellen“, kündigte Innen-Staatssekretär Bernd Krömer (CDU) im Februar an. Die Untersuchungen, wo die nächsten Blitzer montiert werden könnten, haben inzwischen begonnen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Entscheidungen fallen. Dem Vernehmen nach werden derzeit fast hundert mögliche Standorte geprüft, von denen aber nur ein kleiner Teil in die engere Auswahl kommt.

Unfallzahlen sinken langsam

„Das hat vor allem mit den Kosten zu tun, denn die Investitionen sind erheblich“, sagte ein Beobachter. Im Durchschnitt werden pro Kombi-Blitzer 120.-000 Euro fällig. Doch die Planer gehen davon aus, dass die Geräte ihre Kosten schon bald wieder einspielen – über die Bußgelder, die für Verstöße kassiert werden. Die Bilanz ist unterschiedlich, wie aus Senatszahlen für Januar bis November 2014 hervorgeht. Spitzenreiter bei den Kombiblitzern war die Säule am Siemensdamm/Ecke Nikolaus-Groß-Weg: Sie stellte 51.180 Verstöße fest. Die Anlage Bundesallee/Nachodstraße, die ebenfalls Tempo- und Rotlichtsünder ermittelt, löste 4057 Mal aus, so Krömer.

Doch hier gehe es nicht um Geld, sondern um Verkehrssicherheit, so die Polizei. Allein im vergangenen Jahr starben in Berlin sechs Menschen im Straßenverkehr, weil zu schnell gefahren wurde. Überhöhtes Tempo war die Ursache von 3078 Unfällen. Immerhin: Die Zahl dieser Unfälle ist über die Jahre gesunken. 1995 betrug sie noch 13.189.