Blütenstaub: Warum Berlin gerade eine wahre Pollen-Invasion erlebt

Berlin - Auf den Autos, auf den Fensterbänken oder auf frischer Wäsche. Dicker, gelber Blütenstaub – er ist einfach überall in Berlin. Normalerweise ist das Phänomen nur für Allergiker unangenehm, doch in diesem Jahr leiden insbesondere Autofahrer. Die müssen nun ordentlich schrubben, denn der gelbe Staub kann den Autolack angreifen und nimmt die Sicht.

Das klebrige Gemisch besteht aus verschiedenen Pollen-Sorten: Birke, Buche, Ahorn und Kiefer, vermischt mit Raps. Letzterer sorgt für die leuchtende, gelbe Farbe.

Warum aber ist der Pollenflug so heftig? Es liegt am Wetter. „In der letzten Zeit hatten wir einen ständigen Wechsel von warmen und kalten Tagen“, sagt Dominik Jung, Meteorologe beim Online-Portal wetter.net.

„Das hat der Natur einen ordentlichen Schub verpasst, dadurch blühen gerade etliche Pflanzen.“ Bisher hatten die Allergiker Glück, sagt Jung. „Die Wärme kam in diesem Jahr relativ spät, deshalb blieben die meisten verschont.“

Pollen können kilometerweit fliegen

Nicht nur die Temperaturen sind für die Staub-Invasion verantwortlich, durch Trockenheit verteilt sich der Staub gut. Der Wind erledigt den Rest. „Steht er günstig, können die Pollen auch kilometerweit fliegen“, sagt Jung.

„Sie kommen dann beispielsweise aus Russland, Polen und Ostbrandenburg in die Innenstadt.“ Und: Letztendlich fällt der gelbe Matsch auch dadurch auf, dass Regen den Staub zu einer Klebemasse werden ließ.

Rund 15 Prozent der Deutschen leiden nach Daten des Robert Koch-Instituts an Heuschnupfen. Ausgelöst wird die Erkrankung durch von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide und Kräutern ausgehenden Pollenflug.

Betroffene reagieren mit Symptomen wie Schnupfen und Asthma bis hin zum allergischen Schock. Wer darunter leidet, sollte oft die Wohnung saugen und regelmäßig lüften, raten Experten.

Besserung in Sicht

Für Nicht-Allergiker haben die Pollen keine Folgen – bis auf den störenden Dreck. Doch das Ende ist in Sicht: „In den nächsten Tagen wird sich die Lage verbessern“, sagt Jung. Raps und Birke blühen bis Ende Mai, die Fichte bis Juni, danach nur Gräser. Auch Regen – angekündigt ist er für Anfang Juni – kann Abhilfe schaffen, denn er wäscht die Pollen aus der Luft.