Nach dem Todesschuss auf einen 22-Jährigen am vergangenen Donnerstag haben 100 Polizisten am Montag in den Wohnvierteln am Klinikum Neukölln nach der Tatwaffe gesucht und Anwohner befragt. „Sie wollten wissen, ob ich einen auffälligen Mann, zwischen 40 und 50 Jahre alt, kenne“, sagte eine Frau. „Sie wollten auch wissen, ob im Kiez Ausländerfeinde wohnen. Ich konnte den Leuten nicht weiterhelfen.“

Während der Suchaktion sei die Pistole nicht gefunden worden, hieß es am Abend. Die Ermittler der Mordkommission hatten sich davon weitere Hinweise zu dem Schützen versprochen, der in der Rudower Straße den 22 Jahre alten Burak B. erschossen und zwei seiner Begleiter lebensgefährlich verletzt hatte. Man ermittle in alle Richtungen, hieß es im Polizeipräsidium. Konkrete Anhaltspunkte für das Motiv der Tat gebe es allerdings noch nicht. Eine Beziehungstat, die Tat eines Irren oder eines Ausländerfeindes – alles sei möglich, so ein Fahnder. Mittlerweile sind 22 Hinweise eingegangen. Ein heiße Spur ist aber nicht dabei, sagte ein Polizeisprecher am Ostermontag.

Ein Schwerverletzter noch nicht über den Berg

Am vergangenen Donnerstag war Burak B., wie berichtet, mit vier Bekannten in Neukölln unterwegs. Kurz nach 1 Uhr saßen die jungen Männer im Alter zwischen 16 und 22 Jahren auf einer Bank in der Rudower Straße, unmittelbar gegenüber des Klinikums Neukölln. Sie sollen sich friedlich unterhalten haben. Gegen 1.15 Uhr lief ein 1,80 Meter großer Mann, bekleidet mit einem grün-schwarzen Kapuzenpullover, auf die Gruppe zu. Unmittelbar vor den jungen Männern, die aus türkischen, arabischen und russischen Einwandererfamilien stammen, zog er eine Pistole und feuerte zunächst drei Schüsse ab. Nach einer kurzen Pause fielen zwei weitere Schüsse. Dann flüchtete der Schütze zu Fuß in eine Nebenstraße.

Burak B. starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Zwei Bekannte brachen lebensgefährlich verletzt zusammen. Sie wurden notoperiert. Einer von ihnen sei noch nicht über den Berg, hieß es am Montag. Fälle, in denen es keine Beziehung zwischen Täter und Opfer gibt, sind äußerst selten, sagen Polizisten. Zuletzt gab es das in Berlin bei dem Mord an einer Joggerin am 20. Juni 2009 im Spandauer Forst. Ein Mann war von einem Fahrrad gestiegen und hatte die 39-jährige Kirsten S. erstochen. Bis heute ist der Fall nicht gelöst.

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Die Polizei setzt jetzt auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Gefragt wird, wer am Tatort - auch vor den Ereignissen - ungewöhnliche Beobachtungen gemacht hat. Zudem werden Tatzeugen, die bisher noch nicht befragt wurden, aufgefordert, sich zu melden.
Hinweise nehmen die 6. Mordkommission des Landeskriminalamtes in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Rufnummer (030) 4664 - 911 601 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.