Berlin - Es ist kurz vor 9 Uhr, als ein Mann am Mittwoch den Imbiss an der Flughafenstraße in Neukölln betritt. Er geht auf den Tresen zu und bleibt vor einer 33-jährigen Frau stehen. Die beiden streiten sich. Dann zieht der Mann eine Pistole aus der Jackentasche und drückt ab. Mehrere Projektile treffen die 33-Jährige, sie bricht zusammen. Kurz darauf stirbt sie an einem Kopfschuss. Ihre Schwester, die neben ihr stand, wird auch in den Kopf getroffen. Ein Notarzt bringt sie in das Krankenhaus Neukölln. Dort wird sie sofort operiert, doch die Ärzte können ihr Leben nicht retten. Die 38-Jährige stirbt am Nachmittag. Der Täter hatte das Magazin fast leer geschossen.

Die Polizei weiß noch nicht genau, weshalb der 45 Jahre alte Mehmet Ö. am Mittwochmorgen seine ehemalige Freundin in deren Imbiss erschoss und ihre Schwester tödlich verletzte. Mehmet Ö. und die 33-Jährige sind seit eineinhalb Jahren getrennt. Er soll vor der Tat Todesdrohungen ausgestoßen haben, weil er verlassen wurde. Gerüchte, nach denen sich die 16 Jahre alte Tochter der 33-Jährigen zur Tatzeit auch in dem Laden aufhielt, bestätigte die Polizei nicht.

Blumen von Nachbarn

Erst vor knapp zwei Wochen hatten die beiden bulgarischen Frauen ihren Imbiss eröffnet. Wie jeden Morgen in den vergangenen zehn Tagen waren sie am Mittwoch ab 8 Uhr dabei, ihre landestypischen Speisen zum Verkauf vorzubereiten. Die Frauen waren stolz auf den Laden. Bunte Ballons und Aufkleber mit der Aufschrift „Neueröffnung“ kündeten am Mittwoch noch davon. Mehmet Ö. war offenbar wütend über den Erfolg seiner ehemaligen Freundin.

Während sich das Paar stritt, hatte ein Kunde den Laden betreten. Er lief zurück auf die Straße und hielt einen zufällig vorbeifahrenden Streifenwagen an. Der Beamte konnte dann den Schützen überzeugen, die Pistole aus den Händen zu legen. Er überwältigte Mehmet Ö. und nahm ihn fest. Der Täter wurde zur Vernehmung durch die Ermittler der Mordkommission in die Keithstraße gebracht. Gegen ihn werde wegen Mordes ermittelt und Haftbefehl beantragt, hieß es am Nachmittag im Landeskriminalamt.

Bis zum Abend waren Kriminaltechniker dabei, Spuren zu sichern und den Tatort zu vermessen. Am Nachmittag legten Frauen und Kinder Blumen am Eingang des Ladens nieder. Mehmet Ö. ist den Sicherheitsbehörden wegen häuslicher Gewalt bereits bekannt. Er soll Anfang vergangenen Jahres bereits seine Freundin in einer Sprachschule bedroht haben. Im Februar dieses Jahres muss er sich deshalb vor Gericht verantworten, hieß es am Mittwochnachmittag.

Anwohner reagierten am Mittwoch bestürzt, als sie von den Schüssen hörten. Jetzt werde Streit schon mit Waffengewalt auf offener Straße ausgetragen, sagte eine Geschäftsfrau aus der Nachbarschaft. „Pfefferspray habe ich mir bereits gekauft“, sagte sie. Sie wolle sich jetzt darüber informieren, was zu tun ist, um einen Waffenschein zu bekommen.

Doppelmord in Wedding

Der Fall erinnert an eine Tat vom 4. August 2011. An der Kreuzung Kolberger Straße/Ecke Wiesenstraße in Wedding hatte ein 25 Jahre alter Mann in ein Auto geschossen. In dem Mitsubishi saßen drei Frauen und zwei Männer. Eine 45 Jahre alte Frau wurde getötet. Zwei weitere Insassen, eine Frau und ein Mann wurden schwer verletzt. Die Frau starb noch am selben Tag im Bundeswehrkrankenhaus. Die Ex-Frau des Schützen befand sich ebenfalls im Auto. Sie überlebte den Anschlag. Der Schütze Mehmet Y. wurde später festgenommen. Ein Jahr später verurteilte ihn ein Gericht wegen Doppelmordes und dreifachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft. Er gestand, geschossen zu haben, weil seine Frau ihn verlassen hatte. Er handelte aus verletztem Stolz.