Der Kaiserdamm ist trotz seiner Geschäfte keine Bummelmeile. Vielmehr eine mehrspurige Straße, welche die meisten entlangfahren, weil sie die Stadt verlassen oder in die City wollen. Parkplätze fehlen, einige Läden stehen leer. „Es könnte mehr Kundschaft geben“, sagt Helmut Döring. Der 68-Jährige führt das Eisenwarengeschäft Döring am Kaiserdamm 17. Den Laden gibt es schon so lange wie den Kaiserdamm, der 1906 gebaut wurde. „Wir könnten einen Aufschwung gebrauchen“, sagt Döring, der die IG Kaiserdamm leitet, ein Zusammenschluss von etwa 30 Händlern.

Etwa 200 Meter von Dörings Geschäft entfernt entsteht ein Neubau, auf dessen Eröffnung sich die Händler freuen. Denn, so hoffen sie, dieses Haus könnte den Aufschwung am Kaiserdamm bringen.

Am kommenden Montag eröffnet der bayerische Auto- und Motorradbauer BMW seine neue Hauptniederlassung am Kaiserdamm. Der Autokonzern schließt seinen Standort Huttenstraße und zieht mit den 300 Mitarbeitern in die neue Repräsentanz. 65 Millionen Euro hat der sechsgeschossige Gebäudekomplex gekostet, 50 Neufahrzeuge und 250 Gebrauchtwagen werden dort präsentiert und verkauft. In einem weiteren Gebäudekomplex, schwarz und kubisch gestaltet, werden Autos der Marke Mini angeboten und repariert, auch für BMW-Motorräder gibt es einen gesonderten Teil im Haus. „Wir haben keinen Automobiltempel gebaut, sondern eine Begegnungsstätte“, sagt BMW-Niederlassungsleiter Wolfgang Büchel. Ein Café am Kaiserdamm ist für alle geöffnet, es müssen keine BMW-Fahrer sein.

Eine richtige Traumadresse

Mit dem Neubau endet eine jahrelange Debatte über das Gelände nahe der Autobahn und dem Funkturm. Die frühere Landesversicherungsanstalt baute auf dem Grundstück Mitte der 50er-Jahre ein Verwaltungsgebäude, das Ende der 80er-Jahre wegen Baufälligkeit aufgegeben wurde. Die Wände hatten Risse. 1995 wurde das leerstehende Gebäude abgerissen. Die Berliner Volksbank wollte anschließend auf der Brache ein gläsernes Bürohaus errichten, entschied sich dann aber für den Potsdamer Platz, offenbar war dieser Teil der Stadt damals trendiger.

BMW-Niederlassungsleiter Büchel sagt heute, die Entscheidung, an den Kaiserdamm zu ziehen, sei richtig gewesen. „Für uns ist das eine Traumadresse. Mittendrin im Berlin der Moderne, nach allen Himmelsrichtungen offen. Zentraler und erreichbarer geht es kaum.“ Der U-Bahnhof Kaiserdamm liegt direkt vor der Tür.

Büchel rechnet mit etwa tausend Kunden am Tag. Und die Betreiber der umliegenden Geschäfte hoffen, dass einige dieser Kunden auch in ihre Läden kommen. „Und auch die 300 Mitarbeiter machen mal Mittagspause“, sagt Eisenwarenhändler Döring. Mit einem Aufschwung rechnet auch der Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD). „Die Niederlassung ist ein wichtiges Signal und ein großer Magnet für den Kaiserdamm.“

Ende vergangenen Jahres gab es Berichte, dass der Senat dem Autobauer im Jahr 2011 zugesichert haben soll, eine Flüchtlingsunterkunft in der nahe gelegenen Rognitzstraße zu schließen, sobald die Niederlassung eröffnet sei. BMW und der Senat dementierten solche Absprachen. Am nächsten Dienstag wird der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zur feierlichen Eröffnung der BMW-Niederlassung kommen.