Dieses Verbrechen ist filmreif: In der Nacht zu Montag haben unbekannte Täter eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel gestohlen. Sie soll 3,7 Millionen Euro wert sein. Der aktuelle Ermittlungsstand im Überblick:

Auf welchem Weg sind die Kriminellen in das Gebäude gelangt?

Gegen 3.30 Uhr stiegen mehrere Täter in das Bode-Museum über ein Fenster im dritten Obergeschoss ein (siehe Grafik oben). Laut Polizei kamen sie von der Bahntrasse aus mit Hilfe einer Leiter ins Haus und zerschlugen das Panzerglas, nahmen die Münze und gingen auch auf dem selben Weg zurück.

Handelt es sich um ein akribisch geplantes Verbrechen?

Zumindest war die Uhrzeit ideal ausgesucht. Zum einen ist das Museum montags geschlossen, zum anderen fährt so früh morgens keine S-Bahn. Damit war der Zeitdruck zu berechnen und der Einbruch unauffällig. Zu dieser Zeit befinden sich auch nur ganz wenig Passanten auf den Straßen rund um das Ministerium.

Haben die Täter Spuren hinterlassen?

Ja: Eine Aluminiumleiter und eine Schubkarre, mit der sie die Münze etwa 100 Meter entlang auf der Bahntrasse transportierten. Es könnte auch sein, dass diese Gegenstände zuvor bereits für diese Zweck auf der Bahntrasse abgestellt worden waren. Außerdem entdeckte die Polizei ein Seil, das am Monbijoupark von den Gleisen herunter hing. Mit diesem, so sind sich die Ermittler sicher, haben sich die Diebe abgeseilt. Ob einer von ihnen die Münze dabei auf dem Rücken trug, ist unklar. Fest steht, dass am Bahngleis ein Wagen für sie bereitstand. Die Polizei prüft derzeit, ob ein Brand in einem Steglitzer Parkhaus am Montagabend  in Verbindung mit dem Goldraub steht. In der zweiten Etage des  Parkhauses  an der Düppelstraße steckten Unbbekannte einen Mercedes-Benz in Brand. Dabei könnte es sich um das Fluchtauto handeln. 

Ist das Museum Video-überwacht?

Ja. Von außen sichtbar und von innen auch, sagen Mitarbeiter.

Wie haben es die Räuber geschafft, sie und die Alarmanlage zu überwinden? 

Das wissen die Ermittler noch nicht. Entweder das in der Nacht arbeitende Sicherheitspersonal war in die Planung involviert. Oder die Überwachungskameras am Gebäude und im Inneren haben zwar reagiert, aber nicht aufgezeichnet. In den meisten Museen Deutschlands ist die Sicherheitstechnik nicht den Anforderungen entsprechend. Allerdings verfügt das Bodemuseum über hochmoderne Tresore im Keller, die denen von Banken in nichts nachstehen. Vermutlich haben die Diebe die Alarmanlage sowie die Kameras deaktiviert.

Gehört das Wachpersonal im Museum zu einer externen Firma? 

Das Gebäude wird wegen der Baustelle von einer privaten Sicherheitsfirma bewacht. Im Inneren sollen sich Wachleute aufhalten, die der Stiftung Preußischer Kulturbesitz unterstehen. Ob sie von dem Coup gewusst haben, ist unklar.

Verschärft das Bode-Museum nun seine Sicherheitsvorkehrungen?

Das werden sie müssen - schon aus versicherungstechnischen Gründen.

War die Münze versichert?

Ja. In welcher Höhe ist geheim, aber es ist davon auszugehen, dass die Versicherungssumme bei fast vier Millionen Euro, also dem tatsächlichen Wert der Münze liegt.

Wem gehört die Münze?

Einer Privatperson aus Kanada. Seit Dezember 2010 wurde die so genannte Maple Leaf als Leihgabe im Bode-Museum gezeigt. 

Gibt es noch andere ähnlich wertvolle Goldschätze in Berlin? 

Es gibt es weitere Goldschätze in der Münzsammlung. Darunter sind Münzen aus dem Römischen Reich und aus Ägypten. Sie sind zwar nicht so groß, aber dennoch sehr wertvoll. In Deutschlands Boden wartet ein gigantischer Schatz: Sage und schreibe 3200 Tonnen Gold und Silber sollen laut Historikern hierzulande noch in der Erde verborgen sein. Nibelungenhort, Bernsteinzimmer, Ritterschatz und Störtebeker-Höhle sind noch nicht gefunden.

Was war der letzte spektakuläre Kunstraub in Berlin?

250 Kunstdiebstähle muss die Polizei jedes Jahr in der Hauptstadt aufklären. Fast jeder zehnte Fall wird geklärt. Diebe stehlen alles was sie bekommen können und sich verkaufen lässt. Auf Bestellung von Sammlern wird nur selten geklaut.  Zum Diebesgut gehören Statuen von Friedhöfen bis Metall-Kunstwerke. Bilder, Schmuck und Porzellan. Die Museen Deutschlands sind nicht so scharf gesichert, als dass Einbrüche nicht möglich sind. Im Schloss Charlottenburg stahlen 1989 zwei Männer zwei Spitzweg-Bilder: "Der arme Poet" und "Der Liebesbrief". Die sind sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Am 20. April 2002 brachen mehrere Täter in das Brücke-Museum in Dahlem ein und nahmen neun expressionistische Kunstwerke mit. In dem Fall wurden jedoch die Täter gefasst und die Kunstwerke wieder gefunden. Die Täter hatten die Gemälde nicht mitgehen lassen, um sich daran zu freuen, sondern um sie zu verkaufen. 

Ist damit zu rechnen, dass die Münze wieder auftaucht?

Das glauben die Ermittler nicht. Die Münze ist für Sammler nicht besonders wertvoll hinsichtlich ihrer Prägung. Es zählt lediglich der Materialwert von 3,7 Millionen Dollar. Deshalb gehen die Fahnder davon aus, dass das Goldstück so schnell wie möglich eingeschmolzen und dann in Barren portioniert wird. Dann ist die Herkunft so verschleiert, sodass niemand mehr den Diebstahl nachweisen kann.

Ist das Einschmelzen ohne Weiteres möglich?

Für das Verflüssigen von Gold braucht man einen Schmelzofen, einen sogenannten Muffelofen. Das sind Öfen ohne offene Flamme, in denen die Wärmequelle von der Brenngutkammer getrennt ist. Der hitzebeständige Einsatz heißt bei Ofenbauern Muffel. Für eine 100 Kilo schwere Münze müsste dieser allerdings ziemlich groß sein - oder die Münze müsste vorher zerteilt werden.

Kann das Gold dann legal verkauft werden?

Ja - in jedem Goldhandel, der Barren anbietet. Dazu gehört unter anderem Pro Aurum. Das Unternehmen  hat auch eine Filiale in Berlin. Täglich werden die Preise veröffentlicht. Gold ist beim Kauf mehrwertsteuerfrei. Ab einem Kilo werden die Personalien verlangt.