Berlin - Paddeln, Rad fahren, Gurken kaufen: Der Spreewald ist immer eine Reise wert. Doch wer die beliebte Ausflugsregion in diesem Sommer umweltfreundlich mit der Bahn ansteuern will, sollte sich beeilen. Denn die Reise, die derzeit etwa zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und Lübbenau laut Plan nicht einmal eine Stunde dauert, wird sich demnächst erheblich verlängern. Weil die Bahnstrecke, die von Berlin direkt in Richtung Cottbus führt, am 10. Juli für zwei Monate unterbrochen wird. Das gab der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der auch auf dieser Trasse der Deutschen Bahn Regionalzugfahrten bestellt, am Freitag überraschend bekannt.

Zwischen Bestensee und Halbe, zwei Orten jenseits von Königs Wusterhausen, verkehren bis zum 10. September Busse anstelle der Züge. Zwar werden für Reisende zwischen Berlin und Cottbus Züge eingesetzt. Doch sie müssen andere Route fahren – mit der Folge, dass sie um die Spreewald-Städte Lübben und Lübbenau, die von den meisten Ausflüglern angesteuert werden, einen Bogen fahren.

Strecke wurde vor einem Jahrzehnt schon einmal saniert

Einige Fahrgäste werden sich noch erinnern: Von Mai 2010 bis September 2011 war dieser Teil der Görlitzer Bahn, wie die Strecke südöstlich von Berlin bei Experten heißt, schon einmal gesperrt. Damals wurde der gesamte 60 Kilometer lange Abschnitt zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau von Grund auf saniert. Als besonders problematisch erwies sich der Abschnitt, auf dem der Zugbetrieb demnächst erneut eingestellt wird. Dort verlaufen die beiden Gleise durch ein ehemaliges Moor.

Doch auch nach der Streckenerneuerung vor einem Jahrzehnt wurden in diesem Bereich immer wieder Bauarbeiten und Instandhaltungsmaßnahmen fällig, so die Bahn. Damit das künftig nicht mehr nötig ist, entschlossen sich die Planer des Bundesunternehmens, den Abschnitt von Grund auf zu stabilisieren. „Um den Bahndamm dauerhaft zu stabilisieren, werden Schottersäulen sehr tief in das Erdreich eingearbeitet und ein sogenanntes Geogitter, ein aus mehreren Schichten bestehendes Bodenpolster, aufgebracht“, teilte der VBB am Freitag mit. „Das Polster verteilt die Lasten der fahrenden Züge gleichmäßiger. Damit werden die Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde und die Sicherheit im Bahnbetrieb dauerhaft gewährleistet.“

Warum dauern die Arbeiten drei Monate? „Es handelt sich um eine sehr komplexe Baumaßnahme auf schwierigem Untergrund, und es kommt ein Spezialverfahren zum Einsatz“, teilte ein Bahnsprecher der Berliner Zeitung am Freitag auf Anfrage mit. „Die Baumaßnahme ist langfristig geplant und langfristig kommuniziert. Ab Mitte 2019 wurden die Eisenbahnverkehrsunternehmen informiert, es ist alles im Jahresfahrplan geregelt und bekannt gegeben.“ Und warum wurde der Sommer gewählt? Damit möglichst wenige Pendler aus Brandenburg beeinträchtigt werden, hieß es beim VBB. 

Folge für die Reisenden: Sie sind in diesem Bereich deutlich länger unterwegs. So wird die Reisezeit zwischen Berlin Alexanderplatz und Lübbenau vom 10. Juli an mehr als verdoppelt: von derzeit 53 auf mindestens knapp hundert Minuten.

Die Züge der Regionalexpressline RE2, die von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) betrieben werden, sollen zwischen Bestensee und Halbe durch Niederflurbusse ersetzt werden. Das gilt auch für die roten Elektrotriebwagen der Deutschen Bahn (DB), die auf dieser Strecke als Regionalbahnlinie RB24 verkehren. Weitere Linien des Schienenersatzverkehrs verbinden Königs Wusterhausen und (montags bis freitags mit Reisebussen) den Flughafen BER mit Halbe. In den Bussen ist die Beförderung von Fahrrädern, Rollstühlen und Kinderwagen nur eingeschränkt möglich, warnt der VBB.

Fahrradausflügler sollten lieber andere Ziele wählen

Das bedeutet: Fahrradtouristen sollten sich nach anderen Zielen umsehen – wobei an Wochenenden der Platz in der ODEG heute schon oft sehr knapp wird. „Das Buspersonal entscheidet im Einzelfall über die Fahrradmitnahme“, so die offizielle Mitteilung.

Der Kulturzug zwischen Berlin und Wrocław (Breslau) sowie der Intercity von und nach Cottbus werden umgeleitet. Außerdem wird es während der Sperrung weitere Direktzüge Berlin–Cottbus geben, die unterwegs nicht halten, so der Verkehrsverbund. Abfahrt am Berliner Hauptbahnhof ist laut DB 8.47 Uhr, 14.54 Uhr (nur freitags), 16.54 Uhr (montags bis freitags) sowie 19.48 Uhr (sonnabends und sonntags). Zurück ab Cottbus geht es montags bis freitags um 6.16 und 16.16 Uhr sowie sonnabends und sonntags um 10.15 und 17.22 Uhr. Fahrtzeit laut VBB: rund eine Stunde und 45 Minuten.