Regen bringt Segen – aber nicht den Leuten vom Bau. Die Unwetter der vergangenen Tage haben den Arbeitern auf der Bösebrücke zu schaffen gemacht. Darum wird sich die Freigabe der wichtigen Ost-West-Verbindung, die zwischen den Bezirken Mitte und Pankow Gleise überspannt, um eine Woche verzögern. Das teilte die Senatsverkehrsverwaltung auf Anfrage mit.

Doch ab Dienstag soll der Verkehr wieder in beiden Richtungen über die Brücke rollen. „Wetterbedingt könnte es auch der 9. August werden“, sagte Sprecher Matthias Tang. Dann steht nach mehr als zwei Jahren Umleitung wieder der direkte Weg über die Bornholmer Straße in den Osten Berlins zur Verfügung.

Eine lange Geschichte

Viele Berliner kennen das Bauwerk als „Bornholmer Brücke“. So hieß die 138 Meter lange Überführung aber nie offiziell. Die erste genietete Stahlbrücke der Stadt trug bei ihrer Eröffnung 1916 den Namen Hindenburgbrücke. 1948 wurde sie nach Friedrich Wilhelm Böse benannt – einem Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime, der 1944 hingerichtet wurde.

1989 wurde die Brücke berühmt: Dort nahm in Berlin der Mauerfall seinen Lauf, die DDR-Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße wurde in der Nacht zum 9. November 1989 als erste geöffnet. Kurz nach 22.30 Uhr gab Stasi-Oberstleutnant Harald Jäger den Befehl, die Menschen passieren zu lassen.

Später sang David Bowie: „Twenty thousand people cross Bösebrücke.“ Auch in der Soap Opera „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“, spielt dieses Bauwerk eine wichtige Rolle – als „böse Brücke“.

In der Stahlplatte klaffte ein Riss

Doch der geschichtsträchtige Ort wurde über die Jahrzehnte nicht gepflegt. Die DDR-Grenze hatte die Bösebrücke geteilt, das Bauwerk lag in zwei verschiedenen Staaten. Wenn es Instandsetzungsarbeiten gab, wurden sie nach unterschiedlichen Standards ausgeführt. Zuletzt bekam die denkmalgeschützte Überführung nur noch die Note 3,0. Das heißt: nicht ausreichender Zustand, Standsicherheit und Verkehrssicherheit sind beeinträchtigt.

Schon 2005 hieß es im Senat, dass das Bauwerk dringend saniert werden muss. Aber erst 2015 war es endlich soweit. Die Brücke wurde zum Teil gesperrt, in Richtung Osten müssen Autofahrer eine Umleitung fahren – seitdem rollten täglich im Schnitt mehr als 10 000 Kraftfahrzeuge durch Wohngebiete.

Jetzt ist ein Ende absehbar. „Die Instandsetzungsarbeiten stehen nach etwa zweijähriger Bauzeit kurz vor dem Abschluss“, sagte Matthias Tang. Allerdings: „Die noch ausstehenden Arbeiten konnten wegen der Regenfälle nicht wie geplant ausgeführt werden.“ Abdichtungen, Asphaltierungen, Korrosionsschutz – all das musste nun warten.

Kostenplan eingehalten

Noch bis September wird an der Brücke gearbeitet, so der Sprecher. Das geht nicht ohne Einschränkungen ab. Doch eine wesentliche Beeinträchtigung soll es ab nächste Woche nicht mehr geben: Die seit Juni 2015 bestehende Sperrung in Richtung Prenzlauer Berg wird aufgehoben. Autofahrer gelangen wieder schneller in den Osten Berlins.

Anfangs hieß es, dass die Brücke Mitte 2017 fertig ist. Doch das Baupensum erwies sich als größer als erwartet. „Es wurden Schäden sichtbar, die vorher nicht bekannt waren“, so Tang. So mussten Stahlbetonfertigteile ausgetauscht werden. Weil das nur während der Sperrpausen möglich war, die mit der Bahn lange zuvor verabredet worden waren, musste der Bauablauf umgestellt werden. Immerhin: „Die geplante Gesamtbauzeit von zirka zwei Jahren wurde im Wesentlichen eingehalten“ – der Kostenrahmen, rund fünf Millionen Euro ebenfalls.

Eine weitere Brücke wird ebenfalls im August wieder freigegeben. Die Schönerlinder Brücke im Bezirk Pankow soll vom 18. August an wieder befahrbar sein, sagte Tang. Mitte April musste die Überführung im Verlauf der Schönerlinder Straße überraschend gesperrt werden. Arbeiter hatten gerade damit begonnen, das Bauwerk über der Autobahn A 114 für eine Fahrbahnerneuerung vorzubereiten – da kam unter dem Asphalt ein langer Riss in der stählernen Brückenplatte zum Vorschein. „In einem 50 Zentimeter breiten und zwölf Meter langen Brückenbereich wurden Korrosionsschäden festgestellt“, sagte Tang.

Auf der A 100 wird es spannend

Seitdem ist die Bundesstraße B 109 in Richtung Wandlitz unterbrochen, tagtäglich müssen einige zehntausend Autofahrer Umwege fahren.

Austauschteile mussten geplant und hergestellt werden. Für die Montage wurde auf der A 114 in Südrichtung der Beschleunigungs- und ein Fahrstreifen gesperrt. Doch am 18. August soll alles vorbei sein, sagte Tang. Dann ist auch die Schönerlinder Brücke wieder befahrbar – nach rund vier Monaten Sperrung.

Bitte keinen Regen – das ist nicht nur auf der Bösebrücke das Motto. Auch die Ingenieure und Bauarbeiter, die derzeit die Fahrbahn der Rudolf-Wissell-Brücke im Verlauf der Stadtautobahn A 100 sanieren, hoffen auf Trockenheit. Denn nur dann kann nach einem neuartigen Verfahren die künftige Asphaltschicht aufgetragen werden. Das Verfahren heißt HANV – hohlraumreiches Asphalttraggerüst mit nachträglicher Verfüllung. Zunächst wird eine Asphaltschicht aufgetragen, die zu einem Viertel aus Hohlräumen besteht. Damit die Poren wie geplant mit Epoxidharz aufgefüllt werden können, darf es nicht regnen. „Bei Regen würden sich die Hohlräume mit Wasser vollsaugen“, sagte Projektleiter Wolfgang Pilz von der Projektmanagementgesellschaft Deges. „Das wäre das Horrorszenario.“

Damit die Arbeiten in Charlottenburg noch in den Ferien beendet werden können, müssen sie nun starten – wenn es nicht regnet.