Zäune ziehen sich kreuz und quer über das Gelände der ehemaligen Bötzow-Brauerei an der Prenzlauer Allee. Sie unterteilen das riesige Gelände in zugängliche und unzugängliche Bereiche. Zugänglich ist von Donnerstag bis Sonntag Tim Raues Restaurant „La Soupe Populaire“ im sogenannten Atelierhaus, das spektakulär in eine alte Industriehalle hineingebaut wurde. Zu besichtigen ist auch die Ausstellungsfläche darunter, in der ab diesem Freitag der Fotokünstler An-dreas Gursky neue Arbeiten zeigen wird. Publikum ist dort und in der benachbarten Bar „Le Croco Bleu“ natürlich erwünscht.

Charme der Industrialisierung

Nicht zugänglich ist dagegen der große Rest des 2010 von Hans Georg Näder, dem Eigentümer des Medizintechnik-Konzerns Ottobock, erworbenen Areals, auf dem der Brauer Julius Bötzow ab 1884 sieben Produktions- und Lagerhallen mit damals modernster Technik errichten ließ. Die Brauerei wurde zwar 1949 geschlossen, aber Produktionsrelikte wie alte Förderbänder finden sich dort noch genauso wie Vorkriegs-Haustechnik, zum Beispiel in Form von gigantischen Wasserkesseln der Firma Borsig aus den 30er-Jahren.

Den Charme der frühen Industrialisierung zu bewahren und das Gelände gleichzeitig zu entwickeln, ohne es tot zu sanieren, ist die Aufgabe, vor der der Unternehmer Näder steht. Neben dem bereits bestehenden Atelierhaus will er als erstes einen Forschungsstandort für sein Unternehmen einrichten, das Weltmarktführer im Bereich technischer Prothesen ist. Baubeginn für dieses „Future Lab“ ist Anfang 2014, erzählt Näders Kreativdirektor Sebastian Peichl. In den hinteren Bereichen des Geländes soll es außerdem weitere Räume für Kunden und Patienten des Unternehmens geben.

Den Rest des 24.000 Quadratmeter großen Areals mit pittoresk vor sich hin bröckelnden Industrieruinen will der kunstsammelnde Unternehmer nach und nach entwickeln. „Wir stellen uns einmal einen Standort für Berliner Lebensmittelmanufakturen vor, zum anderen ein Boutique-Hotel nach New Yorker Vorbild und sind da auch bereits mit Interessenten im Gespräch“, so Peichl. Das Hotel soll einen Teil der Kellergewölbe als Spa-Bereich nutzen, in einem anderen Teil könnte sogar wieder Bier gebraut werden, „es gibt fortgeschrittene Gespräche mit einer kleinen Brauerei aus Brooklyn“, sagt Peichl.

Von millionenteuren Apartments habe man dagegen Abstand genommen, und auch Neubauten soll es nur wenige zur Prenzlauer Allee hin geben. Der aktuelle Entwurf der beauftragten Chipperfield-Architekten zeigt dort jetzt außerdem einen Pool, den ein Schwimmverein nutzen soll, sowie die Wiederbelebung eines Teils des riesigen Biergartens, in dem zur Jahrhundertwende 6000 Menschen Platz fanden.

Diese Menschenmassen wird man auf dem Areal wohl nicht mehr zusammenbekommen, auch wenn von Seiten des neuen Besitzers eindringlich betont wird, man wolle das Gelände auf keinen Fall abschotten, sondern im Gegenteil in großen Teilen zugänglich machen.

Die Zäune und die wachsame Security, die erlebnisorientierte Berliner freundlich wieder auf die freigegebenen Flächen zurückholt, vermitteln im Moment allerdings noch den Eindruck, die Öffentlichkeit bekomme nur gelenkt Zutritt zum Gelände. Das wird von der charmanten Eventmanagerin der Bötzow Berlin GmbH , Susanne Schirmer, auch gar nicht bestritten. Man wolle nichts verheimlichen, könne aber auch nicht jeden überall herumlaufen lassen: „Es ist einfach ein unübersichtliches und verfallenes Gelände, und in der Bausubstanz ist vieles einsturzgefährdet. Dazu kommen noch 5 000 Quadratmeter Kellergewölbe. Wenn da jemand verloren geht, finden wir den so schnell nicht wieder.“

Wer sich das Gelände anschauen und dabei nicht verloren gehen möchte – Bötzow Berlin bietet regelmäßig Führungen an. Danach wird auch durchgezählt.

Führungen: Unter fuehrungen@boetzowberlin.de werden Anfragen gesammelt und Gruppen zusammengestellt.