Berlin - Die Planung mit den riesigen Lofts in den denkmalgeschützten Backsteingebäuden der Bötzowbrauerei war schon fortgeschritten, es gab komplette Entwürfe. Freunde und Künstler sollten dort einziehen, in das kleine Dorf am Fuße des Prenzlauer Bergs, mit Blick vom Hügel auf die Stadt. Und er, der Besitzer, hätte natürlich auch so ein Loft bezogen. So hatte sich Hans Georg Näder (51) das vor einem Jahr vorgestellt. Seit drei Jahren gehört dem Unternehmer und Inhaber der Otto Bock Health Care mit Sitz in Duderstadt (Niedersachsen) die Bötzowbrauerei. Und ständig hat er neue Ideen, was er aus dem derzeit brach liegenden, 23.400 Quadratmeter großen Areal machen wolle.

Jetzt hat Näder seine Umbaupläne geändert. Statt Lofts will er in vier Häusern auf dem Gelände das Ottobock Future Lab errichten. Das soll eine Denkwerkstatt sein, eine Design Academy und eine Zukunftswerkstatt, ein Labor mit jungen Kollegen, Designern und Internetexperten. 200 Mitarbeiter sollen sich dort über die Medizintechnik der Zukunft Gedanken machen. Denn Näders Geschäfte laufen weltweit sehr erfolgreich. Das Familienunternehmen, Näders Großvater Otto Bock gründete den Betrieb 1919 in Kreuzberg, ist heute Weltmarktführer für Orthopädie und Prothetik, der Umsatz lag 2012 bei knapp 800 Millionen Euro. 7 000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen weltweit.

Eröffnung für 2015 geplant

In der Bötzowbrauerei soll neben dem Future Lab auch eine der modernsten Werkstätten für Rollstühle entstehen. „Berlin hat ein großes Potenzial als Gesundheitsstandort“, sagt Näder. 40 Millionen Euro kostet der Umbau zum Zukunftslabor, der in diesem Jahr beginnt. Im Frühjahr 2015 soll das Future Lab eröffnen.

Doch das ist nur eine von Näders Plänen für das Gelände. Die riesigen Gewölbekeller der Brauerei, etwa 5 000 Quadratmeter groß, will er durch einen Wandelgang begehbar machen und dort einen Markt etablieren. Vorbild sind dabei der Chelsea Market in New York und der Camden Market in London. Dort gibt es etliche kleine internationale Restaurants und Garküchen, Boutiquen und Verkaufsläden mit besonders ausgewählten Waren.

Ein Boutiquehotel gehört ebenso zu Näders künftigen Bauvorhaben wie auch ein öffentlicher Skulpturenpark sowie eine Tiefgarage für bis zu 500 Autos. An der Saarbrücker Straße sollen Neubauten entstehen. Mehr als 100 Millionen Euro sind für den Umbau der Bötzowbrauerei in den kommenden Jahren vorgesehen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte bei der Vorstellung der neuen Pläne am Donnerstag zu Näder: „Sie sind Gott sei Dank so verrückt, solche Projekte anzufangen!“ Denn Näder, der auch Kunstsammler ist, will die Bötzowbrauerei schon während der Bauarbeiten zu einem öffentlichen Ort für Kunst und Kulinarisches machen, zu einer neuen Adresse.

Im Atelierhaus sind derzeit die Werke des Berliner Künstlerduos Eva & Adele ausgestellt. Für die Bötzowbrauerei haben sie ein eigenes Werk geschaffen: Vom 43 Meter hohen Schornstein der Brauerei leuchtet künftig jede Nacht der Schriftzug Futuring in pinkfarbenen Lettern.

Kurzfristig entstanden zudem zwei gastronomische Besonderheiten. Näder konnte vor ein paar Wochen den Berliner Sternekoch Tim Raue überzeugen, noch ein Restaurant zu eröffnen, bei ihm, in der Bötzowbrauerei. „Das war so nicht geplant“, sagte Raue am Donnerstag. Das kleine Restaurant, auf die Schnelle in der Brauerei errichtet, hat 54 Plätze und trägt den Namen „La Soupe Populaire“. Die Speisekarte der „Volksküche“ umfasst vier Vorspeisen, vier Hauptgerichte und zwei Desserts. Die Preise liegen zwischen 9 und 22 Euro. Nebenan, im Maschinenraum, serviert bald der Berliner Gastronom Gregor Scholl (Rum Trader) seine eigens kreierten Cocktails im „Le Coco Bleu“. Bar und Restaurant öffnen am 17. Mai.

Und eine Idee hat Hans Georg Näder dann auch noch im Kopf. Einen Biergarten müsste es wieder geben mit einer eigenen kleinen Brauerei. So wie damals, als bis zu 6 000 Gäste beim Bier zusammensaßen.

Frühling auf Bötzow heißt das Programm in der Bötzowbrauerei vom 26.–28. April 2013. Stündlich (10–17 Uhr) gibt es Führungen über das Gelände und in die Keller, Ausstellungen, Kinderkunst, Musik und am 28. April (11–16 Uhr) einen Frühschoppen mit Jazzband. Eintritt frei, Eingang: Prenzlauer Allee 242.