Berlin - Behaupte noch mal einer, Petitionen seien für die Katz. Oder den Papierkorb. Unterschriftensammlungen führen manchmal auch zum Erfolg. Jüngstes Beispiel: Die Leipzigerin Yvonne Weier, seit 2005 Fan der sehr bunten und ebenso musikalischen Bollywood-Filme, sammelte mehr als 10.000 Unterschriften für Wachsfiguren ihrer Helden bei Madame Tussauds in Berlin. Sie konnte die Betreiber zwar nicht dazu bewegen, die 200.000 Euro pro Stück in neue Figuren zu investieren, aber trotzdem sind ab dem heutigen Donnerstag Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan und vier seiner bekanntesten Kollegen im Wachsfigurenkabinett Unter den Linden zu sehen. Um den erklärten Volkswillen zu erfüllen, wurden sie von der Madame-Tussauds-Filiale New York ausgeliehen.

Kulinarische Grüße

Wie sich das bei so großen Stars gehört, bat Indiens Botschafter Vijay Gokhale am Mittwoch zur Mittagsstunde zum Empfang in die Botschaft. Bei dieser Gelegenheit wurden erfrischende Mango-Lassis serviert und indische Spezialitäten gereicht, die es zu Ehren der hohen Gäste dieser Tage als kulinarische Bollywood-Grüße mit den Stars auf dem Etikett in den Geschäften von Lindner Esskultur (der Berliner sagt aus Gewohnheit weiter „Butter Lindner“) gibt.

Der Botschafter wies beim von der Bollywood-Tanzgruppe „Rang De by Zaraa Vi“ stilecht umrahmten Empfang darauf hin, dass die Wachsfiguren gerade noch rechtzeitig in Berlin ankamen, um mit ihnen das Jubiläum „100 Jahre indischer Film“ zu begehen. Im Mai 1913 wurde die Premiere des Stummfilms „Raja Harishchandra“ gefeiert, was als Geburtsstunde der indischen Filmindustrie gilt. Später hatte Indiens Film immer wieder mit Deutschland zu tun: Gedreht wurde mit deutscher Filmtechnik und der aus Bayern stammende Regisseur Franz Osten gilt als legendäre Figur des indischen Films. In den Zwanzigern und Dreißigern entstanden unter seiner Leitung große Produktionen wie „Das Grabmal einer großen Liebe“ und „Schicksalswürfel“, die stilbildend waren.

Singen vor Alpenkulissen

Das aktuelle Bollywood-Publikum geht wahrscheinlich davon aus, dass vor Alpenkulissen immer irgendwelche Leute in grellen Kostümen tanzen und singen. Damit muss man jedenfalls rechnen, wenn man die Aussage des Botschafters ernst nimmt, dass seine Landsleute ihr Wissen über ferne Länder wie Deutschland und die Schweiz Bollywood-Produktionen entnehmen, die dort in großer Zahl gedreht werden. Ansonsten kam es dem obersten diplomatischen Vertreter Indiens in Deutschland besonders darauf an, dass die Filme aus seiner Heimat ernst genommen werden. Deshalb betonte er: „In Bollywood-Produktionen geht es auch um viele Probleme des Lebens wie Diskriminierung, Korruption und Sex.“

Bevor die Figuren von Shah Rukh Khan und seinen Kollegen Aishwarya Rai (Miss World 1994), Hrithik Roshan (nur echt mit dem doppelten Daumen an der rechten Hand!), Kareena Kapoor und Amitabh Bachchan am Donnerstag zu Madame Tussauds umziehen können (wo sie bis Ende März zu Gast sind), hatten sie noch einen Job in der Botschaft. Sie sollten die aktuelle Ausgabe der Bollywood-Nacht in der Botschaft zieren, bei der sich Mitarbeiter des Hauses regelmäßig Filme aus der Heimat anschauen. Und anschließend für Erinnerungsfotos zur Verfügung stehen.

Yvonne Weier, die die Unterschriften ihrer Petition bei Fans in Deutschland, Österreich, Polen und der Schweiz sammelte, braucht solche Fotos mit Wachsfiguren nicht mehr. Sie kam dem echten Shah Rukh Khan schon ganz nah: „Voriges Jahr war ich zu seinem Geburtstag in Mumbai.“ Und weil sie einen kannte, der ihn kennt, wurde sie im Gegensatz zu den meisten anderen Fans, die das Haus des Stars belagerten, sogar hineingebeten.