Berlin - Die Weltkriegsbombe am Berliner Alexanderplatz ist entschärft, das teilte die Feuerwehr kurz nach halb 2 Uhr auf Twitter mit. Bewohner können nun zurück in ihre Wohnung.

Kurz zuvor hatte die Polizei noch unerwartete technische Probleme vermeldet. Nach Informationen dieser Zeitung hat es sich dabei um Probleme mit der Schneideanlage gehandelt.

Nach mehrstündiger Evakuierung des Sperrkreises hatten die Sprengstoffexperten um kurz nach halb 1 Uhr nachts mit dem eigentlichen Einsatz zur Entschärfung der Bombe begonnen.  Am Freitagnachmittag war die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg bei Bauarbeiten gefunden worden. Ein Baggerfahrer hatte den 100 Kilogramm schweren Sprengkörper an der Dircksenstraße/Ecke Voltairestraße plötzlich in der Schaufel. Der Zünder war noch intakt, hieß es bei der Polizei.

Zu tun hatten es die Bombenentschärfer dabei mit einem Exemplar mit einem Aufschlagzünder. Er war in den Boden eingeschraubt und ließ sich nicht rausschrauben, weil das Metall Rost angesetzt hatte. 

Die Sprengstoffexperten arbeiten bei diesem Einsatz mit einer ferngesteuerten Hochdrucksäge. Der Entschärfer befindet sich dabei geschützt in rund 100 Meter Entfernung. Die Säge arbeitet automatisch, und so überwacht und steuert der Entschärfer die Arbeit mit Hilfe eines Monitors. „Das ist immer noch ein Risiko, auch in einem gepanzerten Fahrzeug, aber es ist ein kalkuliertes Risiko, das man versucht, in bester Weise zu minimieren“, sagte Polizeisprecher Holger Ciglasch.

Einschränkungen bei S- und U-Bahn

Während des Einsatzes wurde der Zugverkehr der S-Bahn-Linien S3, S5 und S7 zwischen Ostbahnhof und Friedrichstraße eingestellt. Auch im Regional- und Fernverkehr gab es Einschränkungen.

Da die Linie der U8 direkt unter der Weltkriegsbombe verläuft, wurde die U-Bahn-Linie zwischen Bernauer Straße und Kottbusser Tor unterbrochen. Die Bahnhöfe Jannowitzbrücke und Alexanderplatz wurden geräumt und während des Einsatzes geschlossen.

Verzögerungen bei der Entschärfung

Eigentlich sollte die Entschärfung bereits um 23 Uhr beginnen. Doch der geplante Zeitpunkt konnte nicht gehalten werden. Holger Ciglasch sagte, es sei immer recht schwierig, einzukalkulieren, wie viele ältere oder behinderte Leute aus dem Sperrkreis gebracht werden müssen, und wann die nötigen Polizeikräfte vor Ort sind. Immerhin mussten 300 Polizisten und andere Helfer, Feuerwehrleute und Sanitäter heran gebracht werden. Außerdem habe die Deutsche Bahn um drei Stunden Vorlauf gebeten, um alles so zu organisieren, dass dann keine Züge auf offener Strecke in der Nacht stehen bleiben müssen.

Schon um 19 Uhr hatten rund 300 Bereitschaftspolizisten begonnen durch die wenigen Wohnhäuser in der Gegend zu gehen, das sind sanierte DDR-Plattenbauten, um die Anwohner über die Lage zu informieren. Rund 3000 Leute waren von dem Einsatz betroffen.

Auch die Kuppel des Fernsehturms musste für die Entschärfung geräumt werden. Obwohl der Sperrkreis am Boden nur 300 Meter betrug, galt in der Luft eine Gefahrenzone von 1000 Meter, weil Splitter so weit hätten fliegen können.

DRK hilft bei Versorgung der betroffenen Anwohner

Das Deutsche Rote Kreuz kümmerte sich um den Transfer von pflegebedürftigen und mobilitätseingeschränkten Menschen und brachte sie in Notunterkünfte. Etwa 100 Personen kamen ins Rathaus Mitte und erhielten dort Verpflegung und Sitzgelegenheiten. Da es immer noch sehr warm war, setzten sich einige auch mit ihren Stühlen vor das Rathaus um auf das Ende des Einsatzes zu warten. Auch wurden gegen Mitternacht die ersten Betten für die müden Wartenden aufgebaut. Zum Zeitpunkt der Entschärfung wurden mehr als 200 Menschen im Rathaus betreut.

Erst um kurz vor Mitternacht neigte sich die Evakuierung dem Ende. „Selten war es im Herzen unserer Stadt so menschenleer“, hieß es in einem Tweet der Polizei. Reporter vor Ort berichteten von einer ruhigen Stimmung während des Einsatzes.

Fundort in der Nähe des Shoppingscenters Alexa

Die Fundstelle der Fliegerbombe befand sich in einer weiten Baugrube zwischen dem Hochhaus, das hinter dem Kaufhaus Alexa gebaut wurde und einem halb fertigen Studentenwohnheim. Der Baggerfahrer soll die Fliegerbombe zunächst in seiner Schaufel nicht bemerkt haben, sagten Kollegen von ihm. Erst als er den Baugrund ablud fiel sie aus der Schaufel. Angst habe er keine gehabt. Das war schon meine dritte in diesem Monat, soll er gesagt haben. 

Baustelle wurde bereits auf Altmunition untersucht

Auf die Frage, ob die Baugrube nicht wie üblich vorher auf Altmunition abgesucht wurde, sagte der Chef der Bombenentschärfer Holger Ciglasch: „Ja, es erfolgte eine Suche.“ Üblicherweise werden dazu alte Luftbilder ausgewertet, die die Alliierten nach den Bombardements zur Erfolgskontrolle gemacht haben. Dort kann man dann mitunter kleine Löcher im Erdboden sehen, in denen eine Bombe, die nicht explodiert ist, steckt. Also ein Blindgänger wie dieser.

„Hier wurde mit Metalldetektoren gesucht“, sagte er. „Aber im Boden der Stadt befindet sich nun mal sehr viel Metall, alte Rohre und ähnliches, und da kann es schon passieren, dass etwas übersehen wird.“ Eine 100 Kilo-Bombe sei auch nicht allzu groß. Er zeigte auf eine der typischen orangefarbenen Müllkübel an einer Laterne und sagte: „Etwa so groß.“
„Es kommt regelmäßig vor, dass wir Bomben finden. 3-4 mal am Tag ruft jemand an und sagt, er hat was gefunden, es sind Gewehrpatronen dabei, aber auch Bomben“, so Holger Ciglasch. Pro Jahr landen 30 Tonnen Kampfmittel aus den beiden Weltkriegen bei den Kriminaltechnikern. 

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