Polizisten begutachten die Fundstelle.
Foto: Andreas Klug

Berlin-MitteBombenentschärfer des LKA haben in der Nacht zu Mittwoch eine 250-Kilo-Bombe in Berlin-Mitte erfolgreich entschärft. Um 0.14 Uhr teilte die Polizei mit, dass die Entschärfung abgeschlossen sei und der Sperrkreis in Kürze aufgehoben werde. Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg war am Dienstagvormittag auf einer Baustelle auf dem Areal an der Gruner-, Ecke Jüdenstraße entdeckt worden.

Weltkriegsbombe in Berlin-Mitte: Sperrkreis von 300 Metern

Etwa 250 Beamte der Bereitschaftspolizei räumten ab Dienstagnachmittag in einem Radius von 300 Metern die Häuser. Nach Angaben der Polizei mussten etwa 1900 Menschen ihre Wohnungen in elf großen Mietshäusern nahe dem Alexanderplatz verlassen. Unter ihnen waren 80 Kinder und 400 Rentner. Eine Notunterkunft im Rathaus des Bezirks Mitte war am Abend komplett voll. Um mehr Menschen während der Evakuierung unterzubringen, wurden der BVV-Saal und weitere Sitzungsräume freigeräumt. Zuletzt musste noch der Transport von einigen Personen bewältigt werden, die sich eigenständig nicht bewegen konnten. An den Evakuierungen waren neben der Feuerwehr auch mehrere Hifsorganisationen beteiligt.

In einem erweiterten Sperrkreis von 500 Metern durften die Menschen in ihren Wohnungen bleiben, diese aber nicht verlassen. Hier sollten die Menschen laut Polizei in den Gebäuden bleiben und die Fenster geschlossen halten. 

Im engen Sperrkreis befinden sich unter anderem das Nikolaiviertel, das Rote Rathaus und die Senatsverwaltung für Inneres. Die Brasilianische und die Niederländische Botschaft mussten ebenfalls geräumt werden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte eine Veranstaltung im Rathaus ab.

Die verrostete Bombe wiegt 250 Kilogramm.
Foto: Andreas Klug

Fernsehturm geschlossen

Sicherheitshalber wurde am frühen Dienstagabend der Fernsehturm für Besucher geschlossen. Ein Sprecher der beliebten Sehenswürdigkeit sagte, bis 17 Uhr hätten Gäste in Ruhe ihren Besuch beendet und niemand sei mehr nach oben gelassen worden.

Die Polizei berichtete, viele Behörden und öffentliche Gebäude im Sperrbereich hätten ihre Evakuierung bereits „selbstständig abgeschlossen“.

Bombenentschärfung: U-Bahn und S-Bahn betroffen

Durch die Bombenentschärfung in Mitte kam es zu massiven Behinderungen im Berliner Nahverkehr. Die U-Bahn-Linie U2 hielt ab Dienstagnachmittag nicht mehr am Bahnhof Klosterstraße, die Straßenbahnen M4, M5 und M6 nicht mehr im Bereich Alexanderplatz, teilte die BVG mit. Busse wurden umgeleitet. Die S3, S5, S7 und S9 waren während der Entschärfung zwischen Friedrichstraße und Ostbahnhof unterbrochen.

Gesperrt wurden auch die viel befahrene Grunerstraße sowie der Autotunnel, wodurch es am Dienstagabend zu langen Staus kam. Die Karl-Liebknecht-Straße ist aktuell in Richtung Prenzlauer Berg gesperrt. 

Eine erbeutete deutsche Bombe

Die Bombe wurde von einem Kampfmittelräumdienst entdeckt, der von der Baufirma vorsorglich engagiert wurde. Sie ließ sich nach Auskunft der Kriminaltechniker gut entschärfen. Der Sprengkörper ist deutscher Bauart. Die Alliierten hatten die Bombe erbeutet und dann über Berlin abgeworfen.