Die am Potsdamer Hauptbahnhof entdeckte Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist erfolgreich nach 45 Minuten entschärft worden. Der Sperrkreis wurde am Donnerstagabend wieder aufgehoben, wie eine Sprecherin der Potsdamer Stadtverwaltung sagte. Busse, Straßenbahnen und Züge können wieder rollen. „Es war eine sehr anspruchsvolle Bombenentschärfung, die den Einsatzkräften und den Potsdamern viel abverlangt hat“, erklärte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Es habe keinerlei Vorbereitungszeit gegeben.

Laut Stadtverwaltung hatte sich die Räumung eines 1,6 Kilometer großen Sperrkreises hingezogen, weil einige Anwohner nicht gleich aus ihren Wohnungen wollten. Die 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Donnerstagvormittag am Potsdamer Hauptbahnhof gefunden worden. Der Blindgänger sei in etwa ein Meter Tiefe bei Bauarbeiten für die neue Zentrale der Landesinvestitionsbank freigelegt worden, teilte die Stadt mit. Da der Sprengkörper bewegt wurde, sollte er sofort entschärft werden. Die Entschärfung zog sich allerdings bis zum Abend hin.

Rund 800 Meter um den Bahnhof wurde ein Sperrkreis eingerichtet. Knapp 10.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Im Sperrgebiet befanden sich unter anderem drei Pflegeheime. Als Unterkünfte für betroffene Potsdamer standen etwa Freizeit-Treffpunkte und eine Schule bereit. Die Räumung war sehr aufwendig und zog sich hin, sagte eine Sprecherin der Stadt am Donnerstagnachmittag. Rund 500 Helfer von Stadtverwaltung, Polizei und Feuerwehr waren seit Mittag im Einsatz, um den Sperrkreis abzusichern.

Der Zug- und Bahnverkehr war seit 13 Uhr unterbrochen. S-Bahnen und Regionalzüge fuhren durch den Potsdamer Hauptbahnhof durch, ohne zu halten. Ab 14:30 Uhr wurde der Bahnhof gar nicht mehr angefahren, Züge stoppten dann bereits an den Haltestellen "Werder/Havel" oder "Potsdam Park Sanssouci". Auf ihrer Internetseite informierte die Deutsche Bahn über die Umleitungen. Auch Straßenbahnen wurden gestoppt und Buslinien umfuhren das Gebiet weiträumig.

Landtag evakuiert

In dem Bereich liegt auch der Brandenburger Landtag am Alten Markt. Abgeordnete und Parlamentsmitarbeiter mussten das Gebäude verlassen. Die aktuelle Sitzung wurde unterbrochen. Die ausstehenden Debatten wurden auf die Januar-Sitzung vertagt, teilte Landtagssprecherin Katrin Rautenberg mit.

150 Blindgänger in Potsdam seit 1990

Auch Mitarbeiter der Staatskanzlei sowie vom Finanz-, Bildungs-, Wirtschafts- und Justizministerium mussten ihre Büros verlassen. Diese Gebäude liegen alle etwa 500 Meter entfernt vom Hauptbahnhof.

In Potsdam werden immer wieder Blindgänger entdeckt, erst Ende September musste am alten Landtag am Brauhausberg eine 5-Zentner-Bombe entschärft werden. Seit 1990 wurden nach Angaben der Stadtverwaltung in der Landeshauptstadt mehr als 150 Blindgänger entdeckt und unschädlich gemacht. (mit dpa)