Neuruppin - Elfmal ließ sich Wolfgang K. bestechen, viermal nahm er Vorteile an, fünfmal plauderte der Polizist Dienstgeheimnisse aus. Dafür wurde der 52-jährige Beamte am Montag vom Amtsgericht in Neuruppin zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilte. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Polizeihauptmeister Rabatt bekam – in einem Bordell in Bork bei Kyritz (Ostprignitz-Ruppin). Demnach erhielt der Mann bei vier Besuchen in dem Etablissement einen Preisnachlass von 50 Prozent, ohne dass es vorher Absprachen darüber gegeben hat. Er erhielt die Hälfte der sonst üblichen 50 Euro, die eine intime halbe Stunde kostete, zurück. „Das ist Vorteilannahme“, sagte Andreas Rose, der Sprecher des Amtsgerichts, nach dem Urteil. Elfmal jedoch soll der Polizist schon mit dem Wissen, nur die Hälfte zahlen zu müssen, in das Bordell gegangen sein. Bestechung nennt das das Gesetz.

Verlust des Beamtenstatus’ und der Pensionsansprüche

Im Gegenzug soll der Beamte der Bordellbetreiberin Dorota K. Dienstgeheimnisse verraten haben, damit diese ihr Haus unbehelligt weiterführen konnte. Wolfgang K. war auf das Etablissement im Oktober 2005 bei einer Polizeikontrolle aufmerksam geworden und stand offenbar wenig später dort wieder vor der Tür – diesmal ohne Uniform aber mit eindeutigen Absichten. Dorota K., die mit auf der Anklagebank saß, wurde vom Gericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Auch bei der 44-jährigen einstigen Bordellchefin wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Wolfgang K. ist nach Angaben eines Polizeisprechers bereits seit dem 17. März 2010 vom Dienst suspendiert. Seit dem 1. Mai 2010 wurden ihm die Dienstbezüge gekürzt. Nun drohen dem Polizeihauptmeister zudem der Verlust des Beamtenstatus’ und der Pensionsansprüche. Denn bei einer Verurteilung zu einer Haftstrafe ab zwölf Monaten erlischt das Beamtenverhältnis nach dem Bundesbeamtenstatusgesetz automatisch. Und zwar mit Rechtskraft des Urteils. Noch aber ist der Schuldspruch nicht rechtskräftig.