Borreliose-Gefahr: 2014 könnte Zeckenjahr werden

POTSDAM - Wer schauen will, ob er Zecken im Garten hat, kann zu einem alten Hausfrauentrick greifen: Einfach mit einem großen weißen Bettlaken langsam über den Rasen und die Büsche streifen. Bei etwas Glück bleibt eine Zecke hängen. „Neulich wurde ich gebeten, es mit einer Windel zu versuchen“, erzählt Matthias Freude, Präsident des Landesamtes für Umwelt und Gesundheit. „Ich dachte, dass das sowieso nicht klappen kann, mit solch einem kleinen Stück Stoff.“ Doch dann waren nach drei Minuten gleich vier Zecken an dem Tuch. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Und dabei war er nicht mal in einem Wald unterwegs, der als besonders zeckenbelastet gilt, sondern am Rande von Potsdam.

Üblicherweise ernähren sich die kleinen Spinnentiere vom Blut der Waldtiere, aber natürlich auch von Menschenblut. Sie beißen sich in der Haut fest, saugen dort oft tagelang und können dabei eine Vielzahl von Krankheiten übertragen.

Dreimal mehr Erkrankungen

Es könnte diesmal wieder ein echtes Zeckenjahr werden im Land Brandenburg. Jedenfalls sieht es bislang so aus. Das Umweltamt musste für dieses Jahr 116 Fälle von Borreliose – das ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit – an das Robert-Koch-Institut (RKI) melden. Üblicherweise sind es bis Anfang April nur etwa 40 Fälle.

„Der milde Winter war sehr günstig für Zecken“, sagt Freude. Nach dem Winter werden die kleinen Blutsauger ab etwa 6 Grad Außentemperatur wieder aktiv. Da es diesmal lange recht mild war, haben die Zecken ihre Saison sehr früh begonnen. Und je eher sie anfangen, sich mit Blut vollzusaugen, umso früher beginnt die Vermehrung – und deshalb gibt es nun mehr Zecken als nach einem kalten Winter.

Doch nicht jeder Zeckenbiss bedeutet, dass eine Gefahr besteht. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts werden nur bei etwa einem Prozent all jener, die gebissen werden, auch Symptome von Borreliose festgestellt. Bei dieser bakteriellen Infektionskrankheit klagen die Patienten anfangs über Fieber, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung, Muskel- und Gelenkschmerzen oder auch über geschwollene Lymphdrüsen. Nur in wenigen Fällen kommt es zu schwereren Krankheiten wie Arthritis, also einer entzündlichen Gelenkkrankheit.

Wie viele Fälle von Borreliose es bundesweit gibt, weiß niemand, da diese Krankheit nur in den sechs östlichen Bundesländern meldepflichtig ist. Brandenburg war im vergangenen Jahr der Spitzenreiter mit 1571 gemeldeten Fällen, gefolgt von Sachsen mit 1325 Fällen und Mecklenburg-Vorpommern mit 980 Fällen. Alle Ostländer zusammen haben knapp 5500 Fälle gemeldet.

Unklar ist, wie viele Fälle gar nicht erst erkannt wurden. Selbst die Schätzungen und Hochrechnungen für die gesamte Bundesrepublik gehen weit auseinander und schwanken zwischen 80.000 und 210.000 Erkrankungen pro Jahr. „Klar ist nur, dass es mehr Erkrankungen gibt, als bislang gemeldet werden“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. „Es sind so viele Fälle, dass man durchaus einige Vorsichtsmaßnahmen einhalten sollte, wenn man raus in den Wald geht und vor allem hinterher, wenn man wieder zurückkommt.“ Denn eine Erkrankung an Borreliose kann meist verhindert werden.

„Bitte keine Panik“

So sieht es auch Umweltamtschef Matthias Freude. „Bitte keine Panik“, sagt er. Denn die viel gefährlichere Hirnhautentzündung FSME, die auch von Zecken übertragen wird, ist nur in Südwestdeutschland verbreitet. In hiesigen Regionen bleibt die Borreliose das Hauptproblem. „Und davor kann sich jeder sehr gut schützen“, sagt Freude. Denn selbst wenn jemand eine infizierte Zecke aus dem Wald mitgebracht hat, bleibt noch reichlich Zeit. „Die Zecken wandern erst eine Weile über den Körper und suchen eine passende Stelle zum Stechen“ sagt Freude.

Und selbst wenn sie sich dann festsaugen, gehen die Borreliosebakterien erst nach langer Zeit – etwa nach 18 Stunden – von der Zecke in den Blutkreislauf des Menschen über. „Es hilft also, den gesamten Körper nach jedem Spaziergang einfach ganz gründlich abzutasten“, sagt er. Wird tatsächlich mal eine Zecke gefunden, einfach entfernen und die Gefahr ist gebannt.