Falten zu kriegen, ist nicht fair, deshalb darf man alle legalen Mittel anwenden, um sie loszuwerden. In meinem Fall heißen sie Botulinumtoxin (BTX) und Hyaluronsäure.

Das eine ist – sehr verkürzt gesagt – ein Nervengift, das die Muskeltätigkeit lähmt und daher recht nützlich gegen Mimikfalten ist. Das andere ist eine natürliche Substanz der Haut und wird zum Volumenaufbau unter dieselbe gespritzt. Ich finde beide gleichermaßen sympathisch, denn mir geht es nur um das eine: Ich will jünger aussehen. Je mehr desto besser.

Nur beim Arzt

Zu diesem Zweck habe ich mich in die Charlottenburger Praxis von Hautärztin Anya Miller begeben, denn Botulinumtoxin darf nur von Ärzten verabreicht werden. Das Spritzen von Hyaluronsäure ist lustigerweise nur bei Pferden rezeptpflichtig, könnte also auch von einer Kosmetikerin gekauft werden.

Die Behandlungen dürfen in Deutschland Ärzte, Heilpraktiker und Zahnärzte vornehmen. Da mir aber an einer umfassenden medizinischen Beratung gelegen ist, habe ich einen Termin bei Frau Miller gemacht. Das Vorgespräch dauert denn auch länger als die Behandlung selbst.

So lange wirken Botox und Hyaluronsäure

Erste Erkenntnis: Auch die medizinisch unterstützte Schönheit hält nicht ewig. Nach 9 bis 18 Monaten ist die Wirkung der Spritzen vorbei. Und glattgebügelt werde ich die Praxis ebenfalls nicht verlassen. „Das Gesicht soll nach der Behandlung natürlich aussehen“, sagt die Hautärztin. „Patienten, denen das zu wenig ist, sind bei anderen Kollegen besser aufgehoben.“

Von denen gibt es einige, denn die Definitionen einer erfolgreichen Schönheitsbehandlung variieren von Land zu Land. Viele russische Schönheitspatientinnen etwa geben sich mit einer kleinen Milderung ihrer Fältchen ungern zufrieden. „Sie möchten zeigen, dass sie in sich investiert haben“, erläutert Miller. Doch auch im westlichen Ausland sei der Umgang mit Schönheitsbehandlungen sehr viel unbefangener als in Deutschland. „Da wird ganz offen danach gefragt, wo man hingeht, wenn man etwas machen lässt.“

Zornesfalte an der Stirn

Jetzt wird erst mal besprochen, was sich bei mir machen lässt. Die Hautärztin drückt mir einen Spiegel in die Hand, und wir gehen die einzelnen Zonen meines Gesichts durch. Das ist bei Weitem der unangenehmste Teil der Behandlung. Ich habe eine steile Falte zwischen den Augen (Mimik), kleine Fältchen um die Augen (Alter, Mimik), zwei von der Nase zu den Mundwinkeln (Alter) und eine am Rand meiner Gesichtskontur, entlang des Kinns. Die ist mir bisher noch nie aufgefallen. Anderen aber vermutlich schon, sagt die Ärztin.

Wir einigen uns schnell darauf, dass außer Botox gegen die Zornesfalte an der Stirn und an den Fältchen am äußeren Augenrand auch noch Hyaluronsäure zur Auffüllung der Nasolabialfalte zwischen Nase und Mundwinkel gespritzt wird. Je tiefer diese Falte wird, desto müder und älter sieht man aus.

So wird Hyaluronsäure gespritzt

Viel hilft viel, denke ich und fühle mich den russischen Frauen in diesem Moment sehr nahe. Während ich im Handspiegel immer weitere Problemzonen in meinem Gesicht erforsche, hat die Hautärztin die Spritze mit dem ersten Serum aufgezogen. Erst kommen die Einstiche an der Stirn und am äußeren Augenrand, dann wird Hyaluron in die Täler zwischen Nase und Mund gespritzt. Es ist nicht gerade angenehm, aber auch nicht wirklich schmerzhaft.

Allerdings hätte ich auf die Bemerkung meines Fotografen-Kollegen, der mich in die Praxis begleitet hat, gut verzichten können: „Oh, das geht ja richtig tief rein“, kommentiert er die Einstiche. Dann ist es auch schon vorbei. Gut 20 Minuten hat die Prozedur in etwa gedauert. Die Kosten für solch einen Eingriff variieren von Anbieter zu Anbieter und hängen auch davon ab, wie viel Serum verbraucht wird. Los geht’s bei 185 Euro.

Es hat sich gelohnt!

Ich finde, es hat sich gelohnt. Die Nasolabialfalte ist deutlich flacher, und ich sehe jetzt schon jünger aus. Ehrlich! Die Fältchen um die Augen sind auch abgemildert, auf die Wirkung des Botulinumtoxin muss man etwa zwei Wochen warten, sie baut sich allmählich auf. Ich nehme mir fest vor, nicht mehr die Stirn zu runzeln, um die Wirkung der kostbaren Behandlung möglichst lange auszunutzen. Und nächstes Frühjahr komme ich wieder.