Der ukrainische Botschafter in Berlin Andrij Melnyk wird am Sonntag als Teil der traditionellen Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung einen Kranz am Sowjetischen Ehrenmal Tiergarten niederlegen. Auf Anfrage der Berliner Zeitung hat eine Sprecherin der ukrainischen Botschaft Melnyks Teilnahme an der Gedenkveranstaltung um 12 Uhr bestätigt.

Ende April wurde berichtet, dass der ukrainische Botschafter, der in letzter Zeit Kontroversen auslöste mit seiner scharfen Kritik an der deutschen Politik zu Waffenlieferungen an sein Land, am 8. Mai den Brandenburger Landtag besuchen und dort eine Rede halten wird. Bisher war aber nicht klar, ob Melnyk, der die Ukraine seit 2015 als Botschafter in Deutschland vertritt, den Tag auch in Berlin feierlich begehen würde.

Ziel der Veranstaltung, die von der Botschaft selbst organisiert worden sei, sei es, auf „den gewichtigen Beitrag“ der Ukraine und ihrer Bevölkerung zum Sieg und dessen hohen Preis aufmerksam zu machen, so die Sprecherin der ukrainischen Botschaft in ihrer Mitteilung an die Berliner Zeitung.

Ukraine als Hauptschauplatz des Zweiten Weltkriegs

Die Ukraine sei der „Hauptschauplatz“ des Zweiten Weltkriegs gewesen: Mindestens acht Millionen Einwohner der Ukraine wurden im Laufe des Krieges getötet, darunter über fünf Millionen Zivilisten – einschließlich 1,6 Millionen ukrainischer Juden. Sechs Millionen hatten auch in den Reihen der Roten Armee gegen Nazi-Deutschland gekämpft – mehr als die Hälfte wurden dabei getötet. Gleichzeitig werde die Veranstaltung „alle Opfer des Zweiten Weltkrieges sowie alle Kämpfer gegen das NS-Terrorregime“ würdigen, so die Sprecherin.

Vor dem Hintergrund des andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine wird befürchtet, dass die Feierlichkeiten in Berlin zum Ende des Zweiten Weltkriegs von Spannungen zwischen russischen und ukrainischen Communitys geprägt sein könnten. Der Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland, der sich in diesem Jahr zum 77. Mal jährt, wird in Deutschland am 8. Mai als Tag der Befreiung gefeiert, in Russland und anderen postsowjetischen Ländern am 9. Mai als Tag des Sieges.

Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat von einer „sehr sensiblen Gefährdungslage“ gesprochen, die Polizei sei aber „gut vorbereitet“ und werde „jede Form der Billigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine konsequent verfolgen“. Der Berliner Senat hat sich für ein „stilles Gedenken“ an das Ende des Zweiten Weltkriegs entschieden. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) wird am 8. Mai die Kultur- und Informationsveranstaltung der ukrainischen Community „Leuchtturm Ukraine“ in der Markthalle Neun besuchen und will sich damit solidarisch mit der ukrainischen Community zeigen.