Nach dem Brand mit drei Todesopfern in einem Schöneberger Saunaclub ist die Diskussion in den Bezirksämtern über den Brandschutz entbrannt. Die Betreiber des Saunaclubs an der Kurfürstenstraße haben gegen die Brandschutzvorschriften verstoßen. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat deren Einhaltung nicht kontrolliert.

„Das ist ein Alarmzeichen“, sagte SPD-Innenexperte Tom Schreiber der Berliner Zeitung. „Man sollte in allen Bezirken nachfragen, ob sie ihren Kontrollpflichten beim Brandschutz überhaupt nachkommen. Wenn der Bezirk Tempelhof-Schöneberg seinen baurechtlichen Aufgaben nicht nachgekommen ist, hat das eine größere Dimension, und es ist ein Fall für den Staatsanwalt.“

Ursache immer noch unklar

In dem bei schwulen Männern beliebten Club Steam Works an der Kurfürstenstraße war in der Nacht zum Montag ein Feuer ausgebrochen. Der Schwelbrand hatte sich rasch in der Zwischendecke des Kellergeschosses ausgebreitet. Durch den giftigen Rauch fanden drei Menschen den Tod, einer wurde schwer verletzt.

Erschwert wurde der Feuerwehreinsatz in dem rund 2000 Quadratmeter großen Club, weil die Brandbekämpfer im Kellergeschoss zahlreiche kleine Zimmer aufbrechen mussten. Es war laut Feuerwehr zwar nicht ursächlich für den Tod der drei Menschen – jedoch war ein Notausgang mit einem dicken Balken blockiert und die Einfahrt zur Tiefgarage mit einem Eisentor verschlossen.

Zwei der Toten sind mittlerweile identifiziert. Nach Angaben eines Polizeisprechers handelt es sich um zwei 49-Jährige, die in Berlin gemeldet waren. Sie stammten aus Spanien und Italien. Der dritte Leichnam ist noch nicht identifiziert.

Die Brandursache war auch am Dienstag noch nicht klar. „Wir wissen noch nicht, ob es sich um einen technischen Defekt oder fahrlässige Brandstiftung handelt. Die Ermittlungen laufen“, sagte der Polizeisprecher. Eine vorsätzliche Brandstiftung schließen die Brandermittler des Landeskriminalamtes inzwischen aus.

Das ist ein Fall für den Staatsanwalt.(T. Schreiber, SPD-Innenexperte)

Zuständig für die Überwachung des Brandschutzes und die Betriebsgenehmigung ist das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne), erst seit den Wahlen im Herbst im Amt, musste erst in den Akten blättern, um sich das Genehmigungsverfahren für den Saunaclub auf den Schreibtisch zu holen. „Nach Aktenlage“ geht Oltmann davon aus, dass die Anlage im Jahr 1981 von den Behörden abgenommen wurde. Seitdem habe es keine Kontrollbesuche mehr gegeben. „Es gab keinen Anlass dazu“, sagte Oltmann. „Es gibt keine Regelungen über turnusmäßige Besuche“.

Erst nach dem Unglück habe das Bezirksamt von umfangreichen Umbaumaßnahmen im Steam Works erfahren. So hatten neue Betreiber in den vergangenen Monaten unter anderem einen Whirlpool eingebaut. Eine Baugenehmigung gab es dafür nicht. Diese Veränderungen seien niemals angezeigt worden – was aber nach Oltmanns Worten hätte geschehen müssen. „Die Umbauten wären genehmigungspflichtig gewesen. Dann hätten wir uns das auch angeschaut. Das Verstellen oder Verschließen von Notwegen ist aber natürlich immer verboten.“ In dem Zusammenhang regt der Stadtrat an, Kontrollintervalle einzuführen. „Darüber könnte man zumindest einmal nachdenken.“

„Der Bezirk muss von sich aus ein ureigenes Interesse daran haben, unangekündigte Besuche durchzuführen, gerade nach einer Geschäftsübernahme“, sagt dagegen Tom Schreiber.

In einem Szene-Forum beklagen sich mehrere Teilnehmer über mangelnden Brandschutz im Club: „Was ich nie ganz verstanden habe, ist, dass man im Keller praktisch überall rauchen durfte, das war als Nichtraucher sehr störend“, schreibt ein Mann. „In den Kabinen hab ich auch keine Rauchmelder gesehen. Im Nachhinein betrachtet war der Keller eine richtige Falle. Ein langer verwinkelter Schlauch durch den man muss, bevor man die einzige Treppe erreicht.“

Der Club Steam Works ist ein seit vielen Jahren in Berlin etablierter Saunaclub für homosexuelle Männer. Besser bekannt ist er unter seinem langjährigen Namen Apollo-Splash Sauna. Auf der Internetseite wirbt der Club mit durchgehenden Öffnungszeiten, Cruising Area, Darkroom-Labyrinth, Bereichen für Schaum-Spiele und Videokabinen. Viele der Angebote wie etwa „Käfig-Spiele“ und „Gleitgel Special“ zielen eindeutig auf Sex.

Kunden blieben weg

Bei Schwulen gilt der Club nicht als Bordell sondern eher als eine Art Schutzraum. Dort können Homosexuelle Sex haben, ohne diskriminiert oder attackiert zu werden. Paare, die den Eintritt entrichtet haben, können sich in die Kabinen im Keller zurückziehen. Manche    halten es trotzdem für denkbar, dass auch Prostituierte in den Räumen tätig gewesen sind. Prägend sei das für den Charakter des Clubs aber nicht, sagen Stammgäste.

Tatsächlich gibt es aber auch Zeugen, die von Strichern berichten, die in den Räumen zeitweise ihre Dienste angeboten haben. Als deshalb viele Gäste wegblieben, seien diese Männer vor die Tür gesetzt worden, sagt ein Kenner des Clubs. Dennoch sollen zuletzt  immer weniger Besucher gekommen sein, weil der Club eine Dauerbaustelle gewesen sei, etwa durch den Neubau des Pools. Selbst am Sonnabend, kurz bevor der Brand ausbrach, sollen dort Handwerker zugange gewesen sein.