Berlin - Bei dem Brand in den Kellerräumen des Weddinger Amtsgerichtes handelt es sich möglicherweise um einen Anschlag. Am Donnerstag ist ein Bekennerschreiben einer linksautonomen Gruppe aufgetaucht. Darin heißt es: „Feuer und Flamme den Knästen und der Justiz“.

Der Brand war in der Nacht zum 27. Dezember in den Kellerräumen des Berliner Amtsgerichtes ausgebrochen. Dabei wurden Einrichtungsgegenstände und technische Geräte zerstört. Die polizeilichen Ermittlungen zur Brandursache sind noch nicht abgeschlossen. Bislang wird von einem technischen Defekt ausgegangen. Auf der linken Plattform Indymedia heißt es in dem Selbstbezichtigungsschreiben: „Wir haben am 26.12.2018 fünfzehn Liter brennbare Flüssigkeit kombiniert mit Styropor in die Kellerräume gegossen in denen Akten lagerten und in Brand gesetzt.“

Die Mischung aus Brandbeschleunigern wie Benzin und Styropor erzeugt Napalm. Eine zähflüssige, klebrige und extrem heiß brennende Masse, die bis zu ihrem Verbot durch die Vereinten Nationen im Jahr 1980 als Kriegswaffe eingesetzt wurde. Damit, so die Autonomen, habe man nun also das Amtsgericht Wedding angezündet.

Polizei prüft Selbstbezichtigung

Grund für den Anschlag seien „europaweite Fahndungen und Hausdurchsuchungen, Festnahmen und Auslieferungen, Denunziantinnen und Urteile“ im Zusammenhang mit den Krawallen in Hamburg anlässlich des G20-Gipfels im Sommer 2017. Die Reaktionen des Staates auf die Ausschreitungen seien „so offenkundig feindselig wie seit Jahren nicht mehr“. Man hoffe durch den jetzigen Anschlag auf das Amtsgericht Wedding, dass „die Rauchschwaden ein wenig Mut bis nach Hamburg tragen (...). Feuer und Flamme den Knästen und der Justiz!“

Bei der Polizei ist das Bekennerschreiben bekannt, es wird derzeit noch auf seine Echtheit überprüft. Allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass der Brand durch einen Defekt in einem Stromverteilerkasten ausgelöst wurde. Auch bei der Senatsjustizverwaltung vertraut man auf die bisherigen polizeilichen Ermittlungsergebnisse und geht „von einem technischen Defekt aus“, wie Sprecher Sebastian Brux am Donnerstag auf Anfrage mitteilte. Auch seien keine Akten verbrannt. Allerdings seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Brandursache bisher noch nicht geklärt

Die autonome Gruppe, die das Bekennerschreiben veröffentlicht hat, bleibt allerdings bei ihrer Version des gezielten Brandanschlags: „Wir würden auch gerne daran glauben, dass Gerichtsgebäude eigenständig Feuer fangen, aber in diesem Fall war es nicht so.“ Bislang lässt sich also noch nicht abschließend sagen, weshalb das Feuer im Amtsgericht ausgebrochen ist.

Für Burkard Dregger, Fraktionschef der Berliner CDU, spielt in diesem Zusammenhang ein weiterer Punkt eine wichtige Rolle. Dregger sagte der Berliner Zeitung: „Ob das Schreiben echt ist oder nicht, und was nun wirklich die Brandursache war, das mögen Experten entscheiden. Viel mehr befremdet mich die Freude linker Chaoten auf deren Plattform Indymedia über den Brand in einem Gerichtsgebäude.“ Bei Indymedia handele es sich zudem „um eine linke Internetplattform, die in der Vergangenheit wiederholt von Teilen der Linken und Grünen verteidigt worden ist“.

Immer wieder Attacken

Der SPD-Innenexperte Tom Schreiber betonte, solche Gruppen würden „davon leben, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie wollen zeigen, was sie können und wozu sie in der Lage sind.“ Tatsächlich kommt es in Berlin immer wieder zu Brandanschlägen linker Autonomer auf Autos, Jobcenter oder auch Gerichte.

Im Sommer 2018 hatte eine Gruppe von zehn bis fünfzehn Personen zudem die Senatsjustizverwaltung in der Salzburger Straße in Schöneberg gestürmt und einen Referatsleiter direkt in dessen Büro bedroht.

Dem SPD-Politiker Schreiber kommt es dabei – „unabhängig davon, ob Autonome den Brand verursacht haben oder nicht“ – vor allem auf eines an: „Sie feiern den Brand! Und das zeigt das gefährliche Gedankengut dieser Leute.“