Nach dem Brand in einem weltweit bekannten Technoclub gerät der Brandschutz in den Focus der Behörden. Am Sonnabendmorgen war im Club der Visionaere ein Feuer ausgebrochen. „Wir hatten großes Glück“, sagte ein Feuerwehrsprecher der Berliner Zeitung. „Wäre das Feuer nachts bei Vollbetrieb ausgebrochen, hätte es eine Katastrophe gegeben.“

Brandkommissariat untersuchte den Club der Visionaere nach Brandursachen

Kurz nach 8 Uhr war die Feuerwehr am Sonnabendmorgen zu dem Club am Flutgraben an der Bezirksgrenze von Treptow zu Kreuzberg gerufen worden. In einem hölzernen Anbau war ein Feuer ausgebrochen. Die letzten Gäste wurden vom Personal hinausgeleitet. Panik gab es nicht. Zunächst hätten Mitarbeiter versucht, mit einem Feuerlöscher die Flammen zu ersticken, berichten Gäste. Doch dann gab es eine Stichflamme, in Windeseile breitete sich das Feuer aus. Das Hauptgebäude des Clubs wurde bei dem Brand nicht so stark beschädigt. Hier gibt es vor allem Rußablagerungen. Die Feuerwehr berichtete von einem „Holzverschlag“, der auf 400 Quadratmetern Fläche brenne.

Ermittler eines Brandkommissariats des Landeskriminalamtes untersuchten bis zum Mittag den Schutt, um die Brandursachen zu ermitteln. Am Montag wollen sie noch einmal wiederkommen, hieß es. Ein Ergebnis steht nach Angaben einer Polizeisprecherin bislang nicht fest. Dem Vernehmen nach soll jedoch ein technischer Defekt die Ursache sein. Unter dem Fußboden hatte möglicherweise ein Kabel gebrannt.

Am Flutgraben befinden sich noch weitere Clubs aus Holz

Die Betreiber des Clubs erklärten, alle erforderlichen und verlangten Brandschutzmaßnahmen seien getroffen worden. „Der Brandschutz im Club der Visionaere ist abgenommen. Unsere Mitarbeiter sind zu Ersthelfern und Brandschutzhelfern ausgebildet und werden stets in allen relevanten Sicherheitsmaßnahmen geschult. Sie haben sofort erste Löschmaßnahmen mit den ordnungsgemäß vorhandenen Feuerlöschern ergriffen.“

Der Feuerwehrsprecher kritisierte dagegen gegenüber dieser Zeitung den baulichen Zustand der „einfach gezimmerten Bretterhütten mit teilweise abenteuerlichen Strominstallationen“. Die Feuerwehr habe die Bauaufsicht gebeten, sich die Clubs und Restaurants rund um den Flutgraben genauer anzusehen.

Am Flutgraben – ein Kanal, der in die Spree mündet – befinden sich auf Kreuzberger Seite weitere Clubs, die aus Holz gebaut sind. Zuständig hierfür ist das Bauordnungsamt Kreuzberg-Friedrichshain. Der Club der Visionaere liegt auf Treptower Seite. Für die Einhaltung des Brandschutzes ist dort das Bezirksamt Treptow-Köpenick verantwortlich, das sich dem Vernehmen nach ab Montag mit der Angelegenheit befassen will.

Betreiber des Clubs der Visionaere hoffen auf baldige Wiedereröffnung

Der Club der Visionaere ist über Berlin hinaus bekannt. Hier treten international bekannte DJs auf, zum Beispiel Ricardo Villalobos. Zuletzt waren für Freitagabend Künstler aus Tokio angekündigt. 2009 wurde der Club im DJ Magazine auf Platz 63 der besten Clubs weltweit platziert. Der Club ist vor allem bei Touristen beliebt. Gäste lieben den „Charme der Improvisation“. Die Partylocation am Flutgraben nahe der Arena erstreckt sich über Holzterrassen auf mehreren Ebenen. Teile der ehemaligen Hinterlandmauer, die Ost- und West-Berlin früher trennte, sind in das Gelände integriert.

Der Grünen-Abgeordnete Georg Kössler erklärte auf Twitter, der Club der Visionaere gehöre einfach zur Berliner Clublandschaft – „genauso wie Bretterbauten und das Unfertige“. Er habe viele nette Abende dort gehabt. Dagegen sieht der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe einen tolerierten Rechtsbruch in bestimmten Segmenten der Wirtschaft und ist der Ansicht, dass in Berlin mit zweierlei Maß gemessen wird. „Das ruhige Café braucht im Zweifel auch eine separate Behindertentoilette und einen Wickelraum, der coole Club nicht einmal Brandschutz oder Licht.“

Die Betreiber hoffen, den Club nach Abstimmung mit den Behörden bald wieder öffnen zu können. Bis zur Wiedereröffnung gehe es ab Sonntag auf der Hoppetosse – einem vor der nahe gelegenen Arena liegenden Clubschiff in der Spree – mit dem Programm des Clubs der Visionaere weiter.