Der Rohbau der Mevlana-Moschee ist schwarz vor Ruß, es riecht nach Rauch, die Fensteröffnungen sehen aus wie dunkle Höhlen. „Sogar der Beton ist verbrannt“, sagt Ismail Altin. Es ist Mittwochvormittag, noch am Montag war er abends zum Gebet in der Moschee in einem Hinterhof an der Skalitzer Straße in Kreuzberg. „Um 22.50 Uhr waren wir fertig. Wir haben alles abgeschlossen. Eine halbe Stunde später hat es dann gebrannt“, sagt Altin.

Vor drei Jahren, berichtet der 59-Jährige, begannen die Arbeiten für den Anbau, größtenteils finanziert aus Spenden der Gemeindemitglieder. Jetzt muss der hintere Teil des Gebäudes vermutlich abgerissen werden, auch der Gebetsraum im Erdgeschoss kann nicht mehr genutzt werden. Die Elektroinstallation wurde beschädigt. Der Fußboden und tragende Teile wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen der Gemeinde auf ein bis zwei Millionen Euro.

Altin zeigt Bilder von der Moschee, wie sie einmal aussehen soll, mit einem 16 Meter hohen Minarett und einer Kuppel. Fassade und Innenräume sollen mit weißem Marmor ausgekleidet werden. Sie sollten längst fertig sein, doch die Bauarbeiten sind seit Monaten unterbrochen, was sich im Nachhinein als Glücksfall erweist. Der von einer Firma in Istanbul zugeschnittene Marmor konnte nicht angeliefert werden, weil die Spezialhandwerker bislang kein Visum erhalten haben.

Vorsätzliche Brandstiftung unwahrscheinlich

Nach dem Mittagsgebet füllt sich der Hinterhof. Die Männer starren auf die Brandruine und spekulieren über die Ursache des Feuers. „Was soll das sonst als ein Anschlag gewesen sein“, sagt Altin. Schließlich sei das Feuer zwischen schwer entflammbaren Isolierplatten mit der Brandschutzklasse A1 ausgebrochen. Die Männer sind aufgewühlt. Seit 40 Jahren gibt es die Mevlana-Moschee, und jetzt passiert so etwas. Andere finden es merkwürdig, dass auch der Festsaal Kreuzberg auf dem Nachbargrundstück vor gut einem Jahr ausbrannte. Hier war die Ursache ein technischer Defekt. Hasan Aydin, der Vorsitzende der Gemeinde, versucht zu beschwichtigen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt er.

Doch inzwischen sind sich die Ermittler vom LKA ziemlich sicher, dass auch der Ausbruch des Feuers in der Moschee durch einen technischen Defekt oder fahrlässige Brandstiftung ausgelöst worden sein dürfte. „Eine vorsätzliche Brandstiftung erscheint immer unwahrscheinlicher“, sagt eine Polizeisprecherin am Mittwoch.

„Es ist traurig, dass die Polizei sofort eine politisch motivierte Tat ausgeschlossen hat“, sagt Ilker Sezgin. Er gehört dem Verwaltungsrat der Islamischen Föderation an, deren Gründungsmitglied die Mevlana-Gemeinde mit ihren rund 350 Mitgliedern ist. „In den letzten beiden Jahren hat es 78 Übergriffe auf Moscheen in Deutschland gegeben“, sagt er. Auch in Berlin. Vergangenes Jahr sei die Ensar-Moschee in Charlottenburg von Unbekannten in Brand gesteckt, auch die Sehitlik-Moschee in Neukölln sei mehrfach beschädigt worden.

Versicherung wird vermutlich zahlen

Inzwischen ist der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Özcan Mutlu, eingetroffen. „Ich hoffe, dass es keine Brandstiftung war“, sagt er. „Das wäre verheerend in einer Zeit, wo wir über Islamophobie und Antisemitismus reden.“ Die Polizei müsse gründlich ermitteln. „Die Beamten gehen nicht von einem politischen Hintergrund aus, weil keine Symbole wie Schweinsköpfe hinterlassen wurden“, sagt Mutlu. Aber der NSU habe bei seiner Mordserie auch keine Symbole hinterlassen.

Am Nachmittag kommt auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) vorbei. Als sie die Brandruine sieht, fehlen ihr erst mal die Worte. Dann sagt sie, wie froh sie sei, dass keine Menschen verletzt wurden. Sie versichert der Gemeinde, dass die Polizei die Brandursache weiterhin gründlich untersuchen werde. „Das wollen wir von Seiten des Bezirks zu 100 Prozent“, sagt Herrmann. Sie werde auch dafür sorgen, dass die Bauaufsicht des Bezirks unverzüglich ein Gutachten anfertige. „Und ich werde mich dafür einsetzen, dass die Spezialhandwerker aus Istanbul eine Aufenthaltserlaubnis für die Zeit ihres Handwerks erhalten“, sagt sie. Die Arbeiten sollen schließlich weitergehen. Für den Schaden wird vermutlich die Bauherren-Haftpflichtversicherung aufkommen.