Brandanschlag auf Flüchtlings-Kunstprojekt in Berlin

Berlin - Ein Gerippe aus verkohlten Stahlträgern ist das einzige Überbleibsel: Das Kunstprojekt «Das Haus der 28 Türen» in Berlin-Kreuzberg ist in der Nacht zu Dienstag niedergebrannt. Es sollte den Blick auf Flüchtlingsschicksale lenken. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Hinweise auf mögliche Täter gebe es noch nicht, sagte eine Sprecherin. Nach dem Feuer sei ein 25-Jähriger vorübergehend festgenommen worden, ein Zeuge habe ihn jedoch nicht als Täter wiedererkannt. Der Mann sei deshalb wieder freigelassen worden.

Nach Polizeiangaben hörte ein Passant gegen 1.00 Uhr einen lauten Knall am Oranienplatz - dann ging das Kunstprojekt in Flammen auf. Der Zeuge habe gleichzeitig einen Mann gesehen, der von dem Platz in Richtung Kottbusser Damm flüchtete. Die Feuerwehr löschte das Feuer, verletzt wurde niemand. Die Brandermittler stünden in engem Kontakt zum Staatsschutz, hieß es.

Durch die Flammen wurde das Kunstwerk komplett zerstört. Es beschäftigte sich mit den Schicksalen von Flüchtlingen und Migranten und war im August 2014 auf dem Oranienplatz aufgebaut worden. Die 28 Türen symbolisieren die EU-Staaten, die ihre Türen für Flüchtlinge nach Angaben der Künstlergruppe «Bewegung Nurr» weitgehend verschlossen halten. Am Oranienplatz hatten Flüchtlinge bis zum vergangenen Sommer monatelang in einem Camp gelebt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Die Installation werde voraussichtlich nicht wieder aufgebaut, sagte Harald Glöde von der Menschenrechtsorganisation «Borderline Europe - Menschenrechte ohne Grenzen» in Berlin, die mit den Künstlern zusammenarbeitete. «Das Haus der 28 Türen» stand zuvor am Tempelhofer Feld. Es sei dann an die Unterstützer der Flüchtlinge vom Oranienplatz übergeben worden, sagte Glöde. Das dazu gehörende Projekt mit Veranstaltungen ist schon seit einiger Zeit beendet.

Der innenpolitische Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, Hakan Taş, sprach von einem feigen Brandanschlag, der den Unterstützern der Berliner Flüchtlingen gegolten habe. Die Installation sei von den Aktivisten bis zuletzt als Veranstaltungsort und Treffpunkt genutzt worden. Die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) rief die Ermittler auf, den Fall auf rassistische Motive hin zu überprüfen. (dpa/bb)