Wollten die Täter mit einem Fackelzug provozieren oder hatten sie vor, das Flüchtlingsheim in Marzahn anzuzünden? Nach dem Brandanschlag in der Nacht zum Freitag gegen das Heim am Blumberger Damm versucht die Polizei die Motive der Verdächtigen zu ergründen, die kurz nach der Tat gefasst wurden. Inzwischen ist klar: Die Frau und die zwei Männer kommen aus dem neonazistisch gesteuerten Umfeld der regelmäßig demonstrierenden Heimgegner. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist einer der Verdächtigen einschlägig wegen rechtsextremistischer Straftaten bekannt.

Ein Wachmann des Flüchtlingsheims hatte am Donnerstag gegen 23.45 Uhr beobachtet, wie sich fünf dunkel gekleidete, vermummte Personen mit neun brennenden Holzlatten an der Schönagelstraße der Unterkunft näherten. Als er die Gruppe anschrie, warf sie die brennenden Latten über den Zaun. Sie landeten auf dem Rasen etwa zehn Meter vor der Unterkunft, die erst im Juli bezogen wurde. Ein syrischer Heimbewohner, der den Rasen goss, löschte den Brand mit dem Gartenschlauch. Der Wachschutz alarmierte die Polizei.

Versuchte schwere Brandstiftung

Polizisten des Abschnitts 62 stellten in der Nähe drei Personen, die zur Beschreibung durch Zeugen passten. Sie waren dunkel gekleidet, verschwitzt und hatten Feuerzeuge dabei. Der 21-jährige Martin W., der 25-jährige André M. und die 41-jährige Beate R. wurden festgenommen. „Wir ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung“, sagt ein Polizeisprecher. „Die Festgenommenen sind dringend verdächtig, dabei gewesen zu sein.“

Martin W. aus Pankow verkehrt nach Angaben der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) im Hooligan-Umfeld des BFC Dynamo und sympathisiert mit der Hooligan-Organisation HoGeSa. Nach Informationen dieser Zeitung ist er bereits wegen rechtsextremistischer Straftaten registriert. Er unterstützt zudem die von Neonazis gesteuerte Mobilisierung gegen eröffnete oder geplante Flüchtlingsheime. Auch André M. hat laut (MBR) Kontakte zu Neonazis und dem "Bündnis Deutscher Hools". Wie die anderen beiden Festgenommenen wird er dem Spektrum der „Nein-zum-Heim“-Demonstranten zugeordnet, die seit Monaten gegen das neue Containerdorf protestieren.

Der Staatsschutz prüft, ob die Täter mit einer Symbolhandlung provozieren oder ob sie die Unterkunft anzünden wollten. Möglicherweise hatte der Wachmann mit seinem Schrei diesen Plan durchkreuzt. Mitarbeiter des Heimes vermuten hingegen eher, dass die Täter provozieren wollten. Als diese mit Fackeln um den Block zogen, um die Bewohner einzuschüchtern, warfen sie die Fackeln beim Auftreffen auf den Wachmann plötzlich über den Zaun. „Hier gibt es immer wieder Provokationen, bislang vor allem verbaler Art“, sagte eine Sprecherin des Heimbetreibers Prisod GmbH. Nach der jüngsten Tat hätten sich die Bewohner inzwischen wieder beruhigt. „Allerdings sind viele bestürzt über die Feindseligkeit, der sie hier begegnen.“

Der Berliner Senat verurteilte die Tat. Innensenator Frank Henkel bezeichnete sie als „widerwärtig“. Sozialsenator Mario Czaja besuchte am Freitagmittag die Einrichtung und erklärte, die Gefährdung von Menschenleben sei bewusst in Kauf genommen worden. Czaja lobte wie Henkel das beherzte Handeln des Sicherheitsmitarbeiters. Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) bezeichnete die Tat als unmenschlich. Auch die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus verurteilte die Tat.

Nazihetze bei Facebook

Unterdessen ermittelte der Staatsschutz einen 34-jährigen Berliner, der anonym bei Facebook Volksverhetzung gegen Flüchtlinge betrieben hatte. Auslöser war eine im Dezember 2014 verbreitete Lüge über Facebook, wonach Asylbewerber im Heim Allende I in Köpenick zwei Mädchen ins Haus gezerrt und vergewaltigt hätten. Der 34-Jährige schrieb dazu unter anderem: „Ich bin dafür, dass die Gaskammern wieder geöffnet werden und die ganze Brut dort reinkommt.“ Dafür muss er nun 4 800 Euro Strafe zahlen.

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