Berlin - Die Nachricht klang zunächst eher harmlos: Am Mittwoch meldete die Polizei, dass in der Nähe der Baustelle der Tesla-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree) ein Kabel gebrannt hat. Doch der Hintergrund erweist sich nun als äußerst ernsthaft. Offensichtlich handelt es sich um einen Anschlag. Jedenfalls wurde am Mittwoch um 11.19 Uhr auf der linksradikalen Internetseite indymedia.org ein Bekennerschreiben veröffentlicht, das von der Polizei ernst genommen wird.

„Das Landeskriminalamt Brandenburg hat in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei der Polizeidirektion Ost die Ermittlungen aufgenommen“, sagt dazu Polizeisprecher Mario Heinemann.

Kabel beschädigt, aber nicht zerstört

Die Polizei wurde um 2.40 Uhr wegen eines Brandes im Wald nahe der Fabrik alarmiert. Bei Grünheide wird seit Februar 2020 die erste europäische Fabrik des US-Elektroautobauers Tesla errichtet. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um mehrere Täter handelt. Sie haben offenbar mehrere armdicke Stromkabel angezündet, die unter anderem zur Baustelle der Fabrik führen. Die Kabel versorgen auch die Stadt Erkner. Die Kabel wurden beschädigt, aber nicht zerstört. Die Brandfläche betrug nur drei Quadratmeter.

Das Bekennerschreiben stammt von einer Gruppe namens Vulkangruppe. Die Überschrift lautet: „Gegen den Fortschritt der Zerstörung“. Die Bekenner schreiben, sie hätten die Stromversorgung gekappt, indem sie Feuer an sechs überirdisch verlegten Hochspannungskabeln gelegt hätten.

Tesla will in Grünheide seine Elektro-Autos für den europäischen Markt produzieren. Es gibt zwar für die Fabrik noch keine endgültige Baugenehmigung, aber Firmenchef Elon Musk lässt dort auf eigene Kosten und eigenes Risiko bauen. Es gibt auch heftige Kritik an dem Bau – vor allem von friedlich agierenden Bürgerinitiativen und Umweltschützern, die befürchten, dass die Fabrik so viel Wasser verbraucht, dass die Wasserversorgung der gesamten Region gefährdet ist.

Militante Gegner

Bei den Bekennern handelt es sich offensichtlich um militante Gegner. In dem Bekennerschreiben heißt es: „Tesla ist weder grün, ökologisch noch sozial.“ Der Konzern betreibe weltweit Raubbau, zerstöre Lebensgrundlagen und arbeite mit kolonialen Ausbeutungsverhältnissen. „Unser Feuer steht gegen die Lüge vom grünen Automobil“, heißt es.

Die Bekenner sprechen von einer „Ideologie des grenzenlosen technologischen Fortschritts und der globalen Zerstörung der Erde“. Das Schreiben endet mit den Worten: „Gegen den Fortschritt der Zerstörung – setzen wir die Sabotage.“

Manuela Hoyer von der Bürgerinitiative und vom Verein für Natur und Landschaft sagte der Berliner Zeitung: „Bei aller berechtigten Kritik an dieser großindustriellen Anlage mitten in der Natur und in einem Wasserschutzgebiet verurteilen wir Gewalt und jegliche Form von Sabotage. Wir setzten auf eine friedliche, juristische und demokratische Auseinandersetzung.“