Potsdam - Im Prozess um den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) hat der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter am Dienstag die Entscheidung darüber vertagt, ob das Verfahren neu aufgerollt werden muss. Der Prozess droht zu platzen, weil ein Schöffe die Glaubwürdigkeit des als Rädelsführer angeklagten NPD-Politikers Maik Schneider im Prozess offen in Frage gestellt hatte.

Daraufhin hatten zwei Verteidiger Anträge gestellt, den Schöffen wegen Befangenheit abzulehnen. Darüber werde bis zur nächsten Verhandlung am Donnerstag kommender Woche entschieden, sagte Horstkötter. Zunächst sollen die Prozessbeteiligten eine Stellungnahme des Schöffen erörtern können.

In dem Prozess müssen sich sechs Neonazis wegen eines Brandanschlags auf eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge und wegen weiterer Straftaten verantworten. Die Sporthalle in Nauen war bei dem Anschlag im August 2015 komplett niedergebrannt. Schneider hatte den Brandanschlag zum Prozessauftakt eingeräumt, aber von einem „Unfall“ gesprochen. Er habe mit dem Feuer die Halle nur einrußen wollen, um ein politisches Zeichen zu setzen. Daraufhin blaffte der Schöffe Schneider an, ob er denke, dass irgendjemand „diesen Stuss“ glaube.

Ein mitangeklagter 29-Jähriger stritt am Dienstag ab, an dem Anschlag beteiligt gewesen sei. Er habe unter Aufputschmitteln gestanden und sei in der Tatnacht zum 25. August 2015 mit einem Fahrrad kreuz und quer durch Nauen gefahren. Er habe zwar gesehen, wie Schneider und ein Mitangeklagter Paletten und Reifen in einen Transporter verladen hätten. Aber er konnte sich angeblich nicht erinnern, ob er sich daran beteiligt hatte. Mit dem Material wurde die Halle in Brand gesetzt.

Der 29-Jährige räumte allerdings ein, dass er im Mai 2015 das Auto eines polnischen Bürgers mit Spiritus abgefackelt hatte. Der Mann habe im Verdacht gestanden, auf Spielplätzen Kinder belästigt zu haben. Er gestand auch, ein Türschloss und den Briefkasten eines Parteibüros der Linken in Nauen zugeklebt zu haben. (dpa)