Potsdam - Im Prozess um den Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) haben zwei der sechs Angeklagten zum Auftakt umfassende Geständnisse abgelegt. Ein 33-jähriger Wachmann schilderte am Donnerstag im Landgericht Potsdam in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung, wie er im August vergangenen Jahres gemeinsam mit Mitangeklagten Fässer mit Öl und Benzin sowie eine Propangasflasche vor die Sporthalle geschafft habe. Zudem seien Autoreifen und Paletten vor dem Eingang gestapelt worden, um den Brand zu entfachen.

Anweisungen von der NPD

Alle Anweisungen zu dem Brandanschlag habe der NPD-Politiker Maik Schneider gegeben, sagte der 33-Jährige. Schneider ist als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung angeklagt.

Ein weiterer Angeklagter erklärte, Schneider habe die Idee zu dem Anschlag gehabt und die Vorbereitungen gesteuert. Am Abend vor dem Brandanschlag haber er beobachtet, wie Schneider und weitere Angeklagte Reifen in einen Transporter geladen hätten. „Bei den Reifen war mir definitiv klar, dass sie zum Anzünden der Halle genutzt werden sollen“, sagte der 32-Jährige. Schneider habe ihn dann angewiesen, bei Autofahrten durch die Stadt die Augen offen zu halten, ob Polizei unterwegs sei.

Daher habe er in der Nacht mehrere Fahrten durch die Stadt unternommen, sagte der Angeklagte. Schließlich habe er aus der Ferne die Flammen aus der Sporthalle lodern sehen. „Ich dachte: Krass, wie das brennt.“

Trauriger Höhepunkt in einer Reihe von Straftaten

Das Gericht will am Nachmittag weitere Angeklagte und möglicherweise auch Zeugen hören. Auch Schneider hat eine Erklärung angekündigt. Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen kam es wegen der Personenkontrollen bei dem Prozess mehrfach zu Verzögerungen. Für das Verfahren sind bis Ende Januar elf Verhandlungstage geplant.

Die Brandstiftung war trauriger Höhepunkt einer Reihe von Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund in der Stadt, die mit der massiven Störung der Stadtverordnetenversammlung im Februar 2015 begann. Damals ging es um den Bau eines Flüchtlingsheims. Demonstranten brüllten vor dem Saal ausländerfeindliche Parolen und drohten, die Sitzung zu stürmen.

Den Angeklagten wird schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Der Prozess gegen die sechs Mitglieder der rechtsextremen Szene findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt, die Polizei spricht von einer abstrakten Gefahrenlage. (dpa/BLZ)