Rechtzeitig zum neuen Kita-Jahr schlagen zahlreiche Kindergarten-Betreiber in einem Brandbrief an Senat und Abgeordnetenhaus Alarm. „In Berlin kann die gute Versorgung mit Kita-Plätzen nicht mehr gesichert werden“, heißt es in dem Papier. „Eine erhebliche Anzahl von Plätzen ist nicht mehr belegbar, weil Fachkräfte fehlen.“

Experten hatten zuletzt berechnet, dass etwa 2000 Kita-Plätze verwaist sind, weil kein ausreichend qualifiziertes Personal für die bereits vorhandenen Plätze gefunden werden kann.

Besorgte Eltern

Unterschrieben haben das Papier zahlreiche freie Kita-Träger. Für sie ist klar: Erzieher müssen angemessen bezahlt werden, und auch die freien Kita-Träger müssen 100 Prozent ihrer Gesamtkosten vom Land erstattet bekommen. Bisher haben sie sieben Prozent ihrer Kosten selbst aufzubringen. Das führe dazu, dass die Erzieher bei den vielen freien Trägern noch schlechter verdienen als bei den landeseigenen Kita-Eigenbetrieben. „Wir zahlen nicht nach Tarif, auch nicht uns selbst als Geschäftsführer“, sagt Susanne Bierwirth vom Kita-Netzwerk Moabit-Ost. „Nicht weil wir nicht wollen, sondern weil wir nicht können.“ Ungerecht sei das. Die gemeinnützige Gesellschaft betreibt insgesamt elf Kitas.

Gut drei Viertel der Berliner Kitas werden von freien Trägern betrieben, vor über zehn Jahren wurden die Erzieher sozusagen outgesourct. Nur noch etwa ein Viertel der Kindereinrichtungen sind kommunale Eigenbetriebe.

Eine stärkere Anerkennung von Kita-Erziehung und frühkindlicher Bildung könne vor allem durch eine erhebliche Aufwertung ihrer Vergütung gelingen, heißt es im dem Papier weiter. Hier sei eine Gehaltserhöhung ähnlich wie bei den Grundschullehrern nötig. Zudem müsse die Fachkräftegewinnung verbessert werden. „Etwa durch schnelle, unbürokratische Anerkennung europäischer und andere ausländischer Abschlüsse.“

Derzeit setzt Berlin verstärkt auf Quereinsteiger und rechnet inzwischen auch Sozialassistenten als volle Erzieher in den Personalschlüssel ein. Die Bildungsverwaltung hat diese Quote gerade erst erhöht: Seit Mai können die Kitas bis zu 33 statt bisher 25 Prozent der gesetzlich festgelegten Personalausstattung mit Quereinsteigern besetzen. Viele Eltern sorgen sich bereits, dass ihre Kinder in den Kitas nicht mehr angemessen betreut werden. In diesem Zusammenhang sorgen Fälle wie jener aus einer Kita in Prenzlauer Berg für Aufregung: Dort soll eine Erzieherin Kinder zwangsgefüttert und festgebunden haben.

Erzieher erhalten in Brandenburg bis zu 400 Euro mehr

„Derzeit können wir aufgrund des Fachkräftemangels regelmäßig offene Stellen nur schwer besetzen“, sagt Christoph Ziegler vom Kita-Träger „Kinder im Kiez“, der insgesamt 17 Kitas in Lichtenberg, Friedrichshain, Treptow und Mitte betreibt. „Trotz eines gestiegenen Aufwands bei der Akquise und verbesserter Konditionen für einen Einstieg bei uns erhalten wir nicht ausreichend qualifizierte Bewerbungen.“ Man konkurriere nicht nur mit den besserzahlenden Eigenbetrieben, sondern gerade am Stadtrand auch mit dem Nachbarland Brandenburg, Denn dort gilt ein anderer Tarifvertrag, deshalb verdienen Erzieher dort bis zu 400 Euro mehr.

„Der Senat hat in den vergangenen fünf Jahren den Kita-Ausbau in Berlin sehr gefördert, was ja sehr lobenswert ist“, sagt Susanne Bierwirth vom Kita-Netzwerk Moabit-Ost. „Jedoch hat man nicht rechtzeitig dafür gesorgt, dass mehr Fachpersonal linear steigend zum Platzbedarf zur Verfügung steht.“ Über Jahre hätten vor allem die freien Träger ausgebildet. Derzeit kommt noch erschwerend hinzu, dass an den staatlichen Fachschulen für Erzieher noch längst nicht alle Plätze belegt sind.

Das Schreiben der freien Träger passt in die Zeit: Aktuell laufen gerade die Beratungen mit den Kita-Verbänden über die neuen Kostenblätter. Darin wird geregelt, wie viel Geld die Kitas für Miete, Personal oder Ausstattung erhalten. Klar ist schon, dass es mehr Anleitungsstunden geben soll, um Quereinsteiger zu schulen. Künftig auch zwei Stunden im zweiten und noch eine Stunde im dritten Ausbildungsjahr.

Ein weiteres Problem sind die steigenden Mieten. Martin Hoyer, Vize-Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, denkt bereits darüber nach, soziales Gewerbe wie Kitas unter stärkeren Mietschutz zu stellen. Die Gewerbemietverträge für Kinderläden sind bekanntlich leicht und kurzfristig kündbar, viele haben schon ihre Bleibe verloren.

Das Papier kursiert nun auch als Online-Petition und hat bereits über 3000 Unterstützer gefunden.