Potsdam - Seit Jahren begleitet Filmemacher Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“, „Halt auf freier Strecke“) die Politik in Brandenburg. So viel Einfluss wie in seiner neuen Rolle hatte er jedoch noch nicht: An diesem Freitag schlüpft Dresen erstmals in seine Robe und nimmt als Laienrichter an einer Verhandlung von Brandenburgs Verfassungsgericht teil. Unter dem Vorsitz von Präsident Jes Albert Möller prüft das Gericht die Finanzierung von Kindertagesstätten im Land. Die Städte Brandenburg/Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam wehren sich dagegen, dass vor allem sie für die verbesserte Ausstattung zur Kasse gebeten werden.

Die Wahl Dresens zum Laienrichter - es handelt sich um ein Ehrenamt - hatte für Schlagzeilen gesorgt. Entsprechend groß ist das Interesse an seinem ersten Auftritt. Dem 49-Jährigen ist dies eher unangenehm, fast peinlich - auch den Kollegen gegenüber. „Ich wünsche mir, dass das Gericht in Ruhe arbeiten kann“, sagt der gebürtige Thüringer. „Es geht um sehr wichtige Fragen.“ Dafür sei auch eine gewisse Diskretion nötig.

Darauf kann der 49-Jährige bei den Juristen bauen. Aus dem Nähkästchen geplaudert wird da nicht. Dresen, der von der Linke-Fraktion im Landtag vorgeschlagen worden war, genießt bei ihnen höchste Wertschätzung: „Man merkt ihm an, dass er mit Freude an die Sache geht“, so ein Mitarbeiter. Dresen sei sehr engagiert und arbeite konzentriert. „Er ist aktenfest und kniet sich in die Sache rein“, sagt Jes Möller, Präsident von Brandenburgs höchstem Gericht. Ein größeres Lob kann es von einem Juristen kaum geben.

Sorgen und Nöte der Ostdeutschen

Zwischen Möller und Dresen stimmt die Chemie, ist zu hören. Seine Lebenserfahrung sowie die Kenntnis von Land und Leuten gehörten zu den Eigenschaften, die ihn für das Amt auszeichneten, meinte Möller bei der Wahl Dresens im vergangenen November. Insbesondere die Sorgen und Nöte der Ostdeutschen kennt der Wahl-Potsdamer gut. Für zwei Dokumentarfilme begleitete er den märkischen CDU-Abgeordneten Henryk Wichmann mit der Kamera.

„Möglicherweise hat auch diese Arbeit dazu beigetragen, dass er aktiv zum politischen Geschehen beitragen will“, meint Wichmann. Dresen habe dabei erfahren, wie mühselig Politik sein könne. Der CDU-Politiker hatte Dresen geraten, die Aufgabe wahrzunehmen, als während Filmarbeiten die Anfrage kam. „Er hat das Herz auf dem richtigen Fleck und weiß wie die Brandenburger ticken.“

Bei seiner ersten Verhandlung an diesem Freitag wird Dresen „nur“ einer von insgesamt neun Richtern sein. Auf ihn wartet aber noch eine besondere Aufgabe: Auch als Nicht-Jurist muss er in der Rolle des Berichterstatters Verfahren so vorbereiten, dass diese im Kollegen-Kreis beraten werden können. Einmal im Monat, jeweils an einem Freitag, treffen sich die Richter ehrenamtlich in Potsdam. In den meisten Fällen kommt es ohne mündliche Verhandlung zur Entscheidung.

Bei der Abstimmung hat die Stimme des Filmemachers dasselbe Gewicht wie die der acht Juristen. Über seine Rolle als Laienrichter will Dresen erst nach genügend Erfahrung sprechen. „Ich möchte jetzt erst ein Jahr unter dem Radar fliegen“, so der Filmemacher. (dpa)