Kernzone: In einem Radius von drei Kilometern wird ein Elektrozaun um die Fundstelle der Wildsau gebaut, die an der Afrikanischen Schweinepest gestorben war.
Foto: dpa/Bernd Settnik

BerlinDer erste Fall von  Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei einem Wildschwein in Südbrandenburg sorgt nicht nur für massive Maßnahmen in der betroffenen Region. Dort soll nun so schnell wie möglich ein Elektrozaun gebaut werden, um zu verhindern, dass sich die Krankheit weiter verbreitet. Es gibt aber auch gesamtwirtschaftliche Auswirkungen. Obwohl bislang nur ein infiziertes Wildschwein gefunden wurde und noch kein Mastbetrieb für Hausschweine betroffen ist, haben erste Staaten bereits ein Einfuhrstopp für deutsches Schweinefleisch verhängt.

Am Donnerstag war in Südbrandenburg der Kadaver einer etwa drei Jahre alte Wildsau gefunden worden, die schon recht lange tot im Wald lag und verweste. Zwei Labore bestätigten die für Menschen ungefährliche, für Schweine aber immer tödliche Tierseuche. Wahrscheinlich wurde die Krankheit aus Westpolen eingeschleppt, wo die ASP seit Monaten bei Wildschweinen auftritt.

Vor Ort: Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grünen) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).
Foto: dpa/Bernd Settnik

Um den Fundort im Ortsteil Sembten in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) wird seit Freitagnachmittag die sogenannte Kernzone mit einem Radius von mindestens drei Kilometern gesichert. Das Gebiet wird mit elektrischen Wildschutzzäunen umstellt. Um die Kernzone werden zudem in einem Radius von 15 Kilometern viele Schildern und Hinweistafeln aufgestellt, um das sogenannte „gefährdete Gebiet“ zu kennzeichnen. Dort geht es dann vor allem darum, die sieben dort gelegenen Schweinehöfe davor zu schützen, dass ASP in die Ställe gelangt. Alle Betriebe werden nun überprüft, ob sie die Hygienevorschriften einhalten.

Ziel ist es nach Angaben des Potsdamer Verbraucherschutzministeriums, in der Kernzone keine Wildschweine aufzuschrecken. Sie könnten sich an Körperflüssigkeiten des Kadavers infiziert haben. Damit sie die Krankheit nicht weiter verbreiten, sollen sie nun möglichst vor Ort bleiben. Erst wenn der Zaun geschlossen ist, also Ende der Woche, sollen wahrscheinlich alle Wildschweine in der Kernzone geschossen werden.

In der Kernzone sind also vorerst die Jagd und auch die Ernte auf Maisfeldern verboten, damit keine Tiere aufgeschreckt werden. Seit Freitag wird in der Region verstärkt nach weiteren toten Wildschweinen gesucht. Auch Drohnen sind im Einsatz. 

Forst- und Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) sagte: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die Afrikanische Schweinepest einzugrenzen und eine weitere Ausweitung möglichst zu vermeiden.“

Für die deutsche Schweinefleischbranche stellt der Fall ein massives Problem dar: China und Südkorea haben gleich nach Bekanntwerden des Falls alle Importe von deutschem Schweinefleisch eingestellt. Nach China gingen bislang 17 Prozent der Exporte. Doch nun trägt das Veterinärzertifikat für Exporte nach China nicht mehr die entscheidenden Worte, nämlich dass Deutschland „frei von Afrikanischer Schweinepest“ ist.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Destatis, afp

Nach Bekanntwerden des Falls brach der Preis für Schweinefleisch in Deutschland massiv ein: Anfang des Jahres mussten für ein Kilo Schlachtschwein noch zwei Euro gezahlt werden, vor dem ASP-Fall lag der Preis bei 1,27 Euro, dann fiel er innerhalb eines Tages um 20 Cent. 

Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, sagte: „Wir appellieren an alle Beteiligten in der Lebensmittelkette, die Krisensituation nicht zulasten der Schweinehalter auszunutzen.“

Der Verband der Fleischwirtschaft teilte mit: „Es ist davon auszugehen, dass kurzfristig die Drittlandslieferungen aus Deutschland in Märkte wie China, Japan und Korea vollständig zum Erliegen kommen.“