Brandenburg/Havel - „Ja, die Geschichte stimmt“, sagte am Donnerstag Hans Kössel der Berliner Zeitung. Er ist der Chefarzt der Kinderklinik im großen Klinikum Brandenburg/Havel. Dort gab es tatsächlich Eltern, die ganz offen von der Klinikleitung forderten, dass ihr krankes Kind nicht im gleichen Zimmer mit einem ausländischen Kind untergebracht werden solle. Am Mittwoch hatte die Märkische Allgemeine Zeitung über diesen Fall von Alltagsrassismus berichtet.

Chefarzt Kössel sagte der Berliner Zeitung, dass die Klinik das Ansinnen dieser Eltern natürlich vehement zurückgewiesen habe. „Es war der erste Vorfall dieser Art in dieser Deutlichkeit“, sagte Kössel.

Belegung der Zimmer nach Krankheit nicht nach Nationalität

Genaue Daten zu dem Vorgang nennt die Klinik natürlich nicht, da im Rahmen des Sozialdatenschutzes vorgeschrieben ist, dass Patientendaten nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Deswegen wird auch nicht gesagt, wann der Vorfall passiert ist. Es heißt nur, es sei kürzlich gewesen. Es wird auch nicht gesagt, woran das Kind erkrankt ist oder woher die Eltern stammen.

Klar ist aber: Das Kind wurde in der Intensivstation der Klinik behandelt wegen einer schweren Erkrankung. Anschließend sollte das Kind in der „normale“ Kinderstation verlegt werden.

Da verlangten die Eltern, dass kein Kind von Ausländern im selben Zimmer liegen soll. Kössel sagt: „Ich war sprachlos, habe dann aber ein paar klare Worte bei der Visite von mir gegeben.“

„Ausländer bringen Krankheiten“

Er habe die Mutter auch ganz direkt nach dem Grund für ihre rassistische Äußerung angesprochen und sie habe gesagt: „Die Ausländer bringen Krankheiten hier rein.“

In der Kinderklinik behandeln die 14 Ärzte pro Jahr etwa 2500 Kinder. Kössel sagte, dass es für die Ärzte und das Personal völlig egal sei, aus welchem Land ein Kind komme. „Ich habe klar zum Ausdruck gebracht, dass wir die Zimmer nicht nach Nationalität oder Religion belegen, sondern nur nach zusammenpassenden Krankheitsbildern.“ Kössel verglich die rassistisch motivierte Ausgrenzung mit der Nazi-Zeit, als es hieß „Juden raus“ oder mit dem offenen Rassismus in früheren Zeiten in Südafrika oder in den USA, wo Farbige sich im Bus nicht auf die Sitzplätze für Weiße setzen durften.

Vater beschwerte sich 

Die Überzeugung der Eltern entspringt offenbar auch keiner Tageslaune, sondern ist manifest. Denn der Vater soll sich, nachdem die Klinik das Anliegen der Eltern ablehnte, außerhalb der Klinik über das Verhalten der Ärzte beschwert haben.

Das Kind lag nach dem Aufenthalt in der Intensivstation in einem Zimmer der Kinderklinik – allein. Nach Angaben der Klinik war dies so, weil es in dieser Zeit kein anderes Kind mit einem passenden Krankheitsbild in der Kinderklinik gab.

Kössel findet für die Einstellung der Eltern klare Worte und hofft, dass die Eltern im Ausland niemals auf die Hilfe von anderen angewiesen sind. „Und wenn, dass ihnen ein Ausländer hilft, der mehr Gastfreundschaft, Empathie, Bildung und Intelligenz hat als sie.“