Auch für Wochenmärkte und Hofläden gelten wegen Corona Auflagen. Wie kommt der Kunde dann an Lebensmittel aus Brandenburg? Bestenfalls mit einem Mausklick.
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PotsdamDie feinen Törtchen lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen, die angebotene Gurkenlimonade weckt erst mal skeptisches Interesse, die Leberwurst muss dann auf jeden Fall mit ins Einkaufskörbchen. Bei Andreas Richter im Laden seiner Firma Soreegio in Finsterwalde in Südbrandenburg gibt es nur Regionales. Etwa zwei Stunden Autofahrt von Berlin-Mitte entfernt erwartet er seine Kunden mit Produkten, die er von 60 Lieferanten bezieht. Die meisten produzieren fast vor der Haustür im Landkreis Elbe-Elster.

„Wer nicht selbst vorbeikommen kann, für den steht rund um die Uhr der Onlineshop offen“, sagt Richter. Jedoch nur im Umkreis von 50 Kilometern rund um Finsterwalde wird geliefert, dämpft er erst mal Hoffnungen auf Köstlichkeiten in Berlin-Pankow am Frühstückstisch. Als Ein-Mann-Firma könne er das noch nicht leisten.

Mit Unterstützung aus der Familie werden die Bestellungen zusammengestellt und ausgeliefert. Bei längeren Vertriebswegen befürchtet er Qualitätseinbußen. „Vielleicht vergrößern wir unser Liefergebiet“, blickt er auf seiner Internetseite optimistisch in die Zukunft.

„Die Vermarktung regionaler Produkte durch die Produzenten selbst ist in Zeiten von Corona ungemein schwierig geworden“, sagt Kai Rückewold, Geschäftsführer von Pro Agro, dem Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in der Region Brandenburg-Berlin. Viele Landwirte hätten aber erkannt: das Online-Geschäft könne ein zweites Standbein zur Kundenbindung sein.

„Wenn sich ein Produzent aber für einen Onlineshop entscheidet, muss er sich auch dahinterklemmen“, sagt Rückewold. Einfach abwarten, ob jemand bestelle und sich dann erst nach ein paar Tagen darum kümmern, funktioniere nicht. „Man muss das ernst nehmen und in seinen täglichen Ablauf einbinden“, betont er. Wichtig seien Fotos und aussagekräftige Angaben zum Produkt. „Der Kunde muss die gleichen Informationen erhalten wie im Supermarkt.“

Bio nicht zwingend notwendig, regional aber auf jeden Fall

Am Ende könne man alles verkaufen: Bio sei nicht zwingend notwendig, regional aber auf jeden Fall. Und: „Im Onlineshop sollte es eine gewisse Auswahl geben“, betont er. Wichtig seien auch die Preise, die sich an denen in Hofläden orientieren sollten.

Richter übernimmt mit seiner Firma Soreegio im Auftrag seiner Lieferanten den Onlineverkauf. 2017 habe er damit begonnen, sagt der 41-Jährige. Bäcker lieferten Brötchen, die nur noch fertig gebacken werden müssen, eine Konditorin fertigt feine Macarons und andere Süßigkeiten, Obst und Gemüse kommt von ihm bekannten Landwirten. „Wenn sich ein kleiner Betrieb keinen Onlineshop leisten kann, dann sind wir am Drücker“, beschreibt Richter sein Geschäftsmodell.

Pro Agro rechnet mit einem zunehmenden Onlinehandel für regionale Produkte. Der Verband der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg (SIBB) hat aber festgestellt: „So eindeutige Veränderungen im Einkaufsverhalten bei Lebensmitteln, wie wir durch die Corona-Krise erwartet haben, gab es gar nicht“, sagt eine Sprecherin.

Rund 74 Prozent der Kunden haben laut einer Umfrage keine Lebensmittel online bestellt, erstmals dann nur 7,75 Prozent. „Von denen, die erstmals bestellt haben, wollen es rund 10 Prozent auch in Zukunft tun“, sagt sie. Fast 60 Prozent der Kunden hätten regionale Anbieter bevorzugt, wenn deren Produkte mindestens gleich gut waren.

Auf den Onlineversand, die eigenen Geschäfte, aber auch Feinkostläden setzt der Anbieter Q-Regio aus der Uckermark im Norden Brandenburgs. „Molkereiprodukte, aber auch Fleisch- und Wurstwaren – die ganze Bandbreite – steht bereit“, sagt Geschäftsführer Pieter Wolters. Aus über 1000 Spezialisten können die Kunden wählen. Vor zehn Jahren hat er das Geschäft nach seinen Angaben angesichts des zunehmenden Interesses an regionalen Lebensmitteln gestartet.

Die Online-Kunden kämen vor allem aus den neuen Ländern, sagt Wolters. Bestimmte Produkte wie Cheese curds – eine vor allem in den USA beliebte Käsespezialität – gehen ins gesamte Bundesgebiet. Mehr als 70 Produzenten seien bei Q-Regio dabei. „Wir sind immer auf der Suche nach regionalen Produkten für unser Sortiment“, sagt Wolters. Sein Kollege Richter aus Finsterwalde mit seinem Soreegio-Shop hat Produkte wie Schafs- und Ziegenkäse im Visier. Aber auch Quark aus regionaler Herstellung fehlt ihm noch. „Es muss aber etwas anderes sein, als im Supermarktregal“, benennt er seinen Anspruch.