Es passiert immer wieder, dass Diebe eine Wohnung ausräumen, während die Bewohner im Urlaub sind, denn dann ist die Wohnung leer und die Diebe sind ungestört. Nun aber häufen sich Fälle, bei denen Urlauber während des Urlaubs ausgeraubt werden – und zwar im Schlaf in ihren rollenden Ferienwohnungen: im Wohnmobil. Das Risiko ist dabei eigentlich groß, dass auf so engem Raum ein Urlauber von dem kriminellen Tun erwacht, aber der Dieb – die Kriminialpolizei geht von einem Einzeltäter aus – geht offenbar ganz perfide vor: Er betäubt die Schlafenden mit Gas.

Schwindel und Müdigkeit

„An zwei Wochenenden gab es sechs solcher Einbrüche in einer recht überschaubaren Region“, sagte Ulrike Glanz, Sprecherin der Polizeidirektion Nord, am Sonntag. In drei Fällen gilt als sicher, dass der Täter auch Betäubungsgas eingesetzt hat. So zum Beispiel am 21. Juni auf dem Autohof Herzsprung (Ostprignitz-Ruppin) gleich an der Autobahn A24: Dort überfiel der Dieb erst ein Wohnmobil, dann Leute in einem Wohnwagen.

Er erbeutete Handys, Tabletcomputer, Bargeld und Schmuck. Es gab vier Geschädigte im Alter zwischen 40 und 54 Jahren. Drei von ihnen litten nach einen ungewöhnlich langem Schlaf unter den gleichen Symptomen: Unwohlsein, Schwindel, Müdigkeit. Eine Frau musste sogar mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

„Da wurde offenbar Betäubungsgas in das Innere der Wohnwagen geleitet“, sagte Ulrike Glanz, „denn auch der Hund in einem der Wagen war betäubt.“ Nicht mal 15 Kilometer entfernt wurde in der selben Nacht in ein Wohnmobil aus Schweden eingebrochen, in dem drei Personen schliefen. Das Schloss wurde geknackt und eine Handtasche mit einem großen Geldbetrag gestohlen. In diesem Fall ist nicht sicher, ob Gas eingesetzt wurde. Die Polizei schließt nicht aus, dass es der selbe Täter war.

Am vergangenen Wochenende war die Polizei nun mit einem großen Aufgebot an allen wichtigen Rastplätzen und Parkplätzen im Einsatz. In Zivil saßen sie in Raststätten, beobachteten das Geschehen oder versteckten sich in Autos oder im Wald. Sie wollten den oder die Täter auf frischer Tat ertappen. „Es wurde allerdings kein weiterer solcher Einbruchsversuch festgestellt“, sagte Polizeisprecherin Glanz.

Campingplätze sicherer

Unklar ist, ob der Täter vielleicht ein „krimineller Wandergeselle“ ist und weiter gezogen ist. Denn in diesem Jahr gab nur einen einzigen solchen Überfall: im südwestlichen Teil in Brandenburg. Anfang Juni knackte ein Dieb an der Autobahn A2 auf dem Rastplatz Buckautal (Potsdam-Mittelmark) zwei Wohnmobile. Der Schaden lag bei 2 000 Euro. Auch dort wurde ein älteres Ehepaar und ein 37-Jähriger betäubt. Sie schliefen extrem lange und klagten über Kopfschmerzen, brennende Augen und Übelkeit.

Ähnliche Fälle gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder, doch damals wurden nicht Wohnmobile überfallen, sondern schlafende Lastwagenfahrer, besonders auf Rast- oder Parkplätzen an der Autobahn A2 und am Berliner Ring.

Als Gegenmaßnahme empfehlen Polizei und ADAC, dass die Urlauber sich Gaswarnanlagen in ihre Wohnmobile einbauen und dass sie lieber auf bezahlten Campingplätze und nicht in freiem Gelände übernachten sollen. Wer aber Geld sparen will und weiterhin kostenlos etwa auf Rastplätzen übernachten will, sollte dies nicht in den hinteren und ruhigeren, aber unbeleuchteten Ecken tun, sondern unter Laternen und gleich bei der Tankstelle.