Brandenburg und Polen: Polizei nimmt Bande von Solar-Dieben fest

Potsdam - Jahrelang konnten sich Diebe aus Osteuropa darauf verlassen, dass es mit der grenzüberschreitenden Verfolgung ihrer Taten ziemlich hakt, dass die Zusammenarbeit der Kripo beidseits der deutsch-polnischen Grenze  sehr bürokratisch ist –  oft sogar fast unmöglich. So wussten die Diebe, dass sie wegen Taten in Brandenburg selten in den Knast mussten.

Wie sehr sich das geändert hat, zeigt ein aktueller Fall: Die Polizei gab am Mittwoch bekannt, dass am Vortag in Polen vier Diebe festgenommen wurden, die immer wieder Solarmodule in Brandenburg gestohlen haben. „Es ist ein Erfolg der intensiven, monatelangen Zusammenarbeit der Polizei bei uns und in Polen“, sagte Torsten Herbst, Sprecher des Polizeipräsidiums.

Vorwurf der Hehlerei

Seit August 2016 ermittelten die Kriminalisten des Brandenburger Landeskriminalamtes (LKA) mit dem Zentralen Ermittlungsbüro  in Zielona Góra in einer extra gebildeten operativen Ermittlungsgruppe. Den Festgenommenen wird Hehlerei oder schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen, sagte Herbst.  Die 35 und 36 Jahre alten Männer sollen immer wieder in Solarparks in Brandenburg und anderen Bundesländern eingebrochen sein, um dort Solarmodule und Wechselrichter zu stehlen. Sie wurden am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt.

Bei der Festnahme in Lublin waren auch deutsche Ermittler dabei. Dadurch gelang es, das in Polen gefundene Diebesgut konkreten Tatorten in Deutschland zuzuordnen.

Es ist nicht der erste Erfolg gegen diese Form der organisierten Kriminalität. Vor einigen Jahren spezialisierten einige Diebesbanden. Um gegen die „Solardiebe“ besser vorgehen zu können, gründete das LKA im August 2015  die Ermittlungsgruppe „Helios“ – vom  altgriechische Wort für Sonne. Dieser Ermittlergruppe war es bereits im November gelungen, eine polnische Bande zu zerschlagen, die für mindestens 15 Diebstähle in deutschen Solarparks verantwortlich gemacht wird. Acht Tatorte sind  in Brandenburg.

Wert von 200.000 Euro

Bei den Ermittlungen gegen die Bande fand die Kripo auch Indizien gegen einen Mann, der nun festgenommen und dessen Grundstück durchsucht wurde. Dort fand die Polizei 400 Solarmodule und zwei Wechselrichter – das ist ein Teil der Solarmodule, das für die Einspeisung des Stroms ins Netz nötig ist.

Einen dieser Wechselrichter konnte die Polizei klar einem Diebstahl aus einem Solarpark in Sachsen-Anhalt zuordnen, bei dem die Täter 50 Wechselrichter im Wert von etwa 120.000 Euro stahlen. Einige sichergestellte Photovoltaikelemente stammten aus Überfällen in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Die polnischen und deutschen Polizisten nahmen nicht nur den 36-jährigen Besitzer des Grundstücks fest. Sie schnappten auch noch drei Leute, die vor seinem Haus in einem Kleintransporter saßen – auf der Ladefläche des Wagens: 21 Wechselrichter mit dem beachtlichen Wert von 200.000 Euro.

Bessere Kooperation

Die Bauteile, die der Grundstücksbesitzer gerade aufgekauft hatte, waren zwei Tage zuvor  in Sachsen gestohlen worden.  Außerdem konnte die Polizei einem der Männer durch Spuren vom Tatort nachweisen, dass er vor zwei Jahren bei einem Diebstahl in Cottbus dabei war, dort wurden Solarmodule für 100.000 Euro gestohlen.
Früher konnten sich die Diebesbanden ziemlich sicher sein, dass sie nicht so schnell auffliegen – egal, ob sie nun Solarmodule stahlen, Privatautos oder Traktoren von Landwirten. Die eigentlichen Diebe sind meist auch nur „kleine Lichter“ innerhalb der mafiös organisierten Banden. Wenn doch mal einer gefasst wurde, ersetzte man ihn in der kriminellen Organisation schnell durch einen anderen.

Die deutschen Ermittler klagten jahrelang, dass Polen die Täter dann nicht ausliefert, wenn ihre Taten auch in Polen strafbar sind. Die Verfahren sollten in Polen stattfinden, aber die Beweise lagen in Deutschland. Da aber oft  nicht mal das Geld da war, um die Akten zu übersetzen, fielen die Verurteilungen aus.

„Inzwischen klappt die Kooperation immer besser“, sagte Ulrich Scherding, Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Früher musste für jede Durchsuchung in Polen oder jede Befragung dort extra ein hochbürokratisches Amtshilfeersuchen gestellt werden. Benötigt wurden  Übersetzungen und richterliche Beschüssen in jedem Einzelfall. Inzwischen werden bei Ermittlungen gegen große Bande extra sogenannte Joint Investigation Teams  – kurz „Jit“–  gebildet, also „gemeinsame Ermittlungsgruppen“. Die Ermittler beider Seiten arbeiten dann oft über viele Monate eng zusammen, tauschen Akten und Ermittlungsergebnisse aus und sind auch bei Razzien im anderen Land dabei.

Die Diebe weichen aus

Beim Autodiebstahl zeigt diese Kooperation offensichtlich Wirkungen. „Unser Verfolgungsdruck sorgt für einen Verdrängungseffekt nach Nord und Süd“, sagte Scherding. Das heißt: Manche Banden stehlen inzwischen lieber in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen, weil sie wissen, dass die Brandenburger Polizei  aktiver ist. „Das zeigt, dass unser konsequente Arbeit Wirkung zeigt.“ Auch die Zahlen beim Solardiebstahl ist rückläufig: 2015 registrierte das LKA Brandenburg   60 Diebstähle, 2016 waren es  40 – in diesem, allerdings noch jungen  Jahr ist es noch keiner.