Eine Polizistin an dem wegen einer Bombendrohung abgesperrten Weihnachtsmarkt (Archiv).
Foto: dpa/ Julian Stähle

Berlin/ PotsdamZwei Jahre lange jagte die Polizei einen Mann, der als Paketbomber traurige Berühmtheit erlangte und Berlin und Brandenburg mit mindestens vier Sprengsätzen sowie Erpresserschreiben in Angst und Schrecken versetzte. Am Mittwoch verbreitete die Deutsche Presse-Agentur dpa die Meldung, die Polizei wolle die Ermittlungen einstellen. Dem widersprach am Mittag  Thorsten Herbst vom Polizeipräsidium Potsdam. 

 

Zwar sehe man derzeit„keine Möglichkeit mehr, die Ermittlungen voranzutreiben", sagte Herbst der Berliner Zeitung auf Nachfrage. Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Ermittlungen eingestellt würden. Das Landeskriminalamt erarbeite derzeit einen Vorschlag bezüglich des Umfang und weiteren ermittlungstechnischen Details. Dieser Vorschlag werde dann der Staatsanwaltschaft vorgelegt, die darüber entscheiden müsse. Auch eine mögliche Einstellung des Verfahrens obliege prinzipiell der Staatsanwaltschaft. Zwar habe "die Auswertung aller Spuren und von mehr als 1000 Hinweisen tatsächlich nicht zur Ermittlung von einem oder mehreren Tatverdächtigen geführt.“ 

Zischen und "komische Drähte"

Dennoch werde "daran gearbeitet, neue Anhalts- oder Ansatzpunkte zu finden, um den oder die Paketbomber doch noch zu schnappen", so der Sprecher weiter. Die ursprünglich mit 50 Beamten besetzte Sonderkommission „Quer“ war schon im Sommer letzten Jahres auf 15 Beamte heruntergefahren worden. Derzeit ist laut Herbst nur noch eine Handvoll Beamte im Landeskriminalamt damit beschäftigt.

Am 1. Dezember 2017 war in einer Apotheke am Rande des Potsdamer Weihnachtsmarkts eine Paketbombe entdeckt worden, in der sich eine Sprengvorrichtung und Nägel befanden. Darin wurde auch ein als QR-Code verschlüsseltes Schreiben entdeckt, mit dem DHL um eine Millionensumme in Bitcoins erpresst werden sollte. Nur der Umsicht des Apothekers, der das Päckchen erhielt, war es mit zu verdanken, dass keine Menschen verletzt wurden. Er habe beim Öffnen ein Zischen gehört und bemerkt, „dass da so komische Drähte rausguckten“, berichtete der Apotheker später. Daraufhin alarmierte er die Polizei.

Später stellte sich heraus, dass schon Anfang November 2017 eine erste explosive Sendung des DHL-Erpressers im Postzentrum Frankfurt (Oder) eingegangen war. Diese geriet beim Öffnen in Brand, wodurch auch das Erpresserschreiben zerstört wurde. Weitere explosive Sendungen gingen im Januar bei einer Berliner Bankfiliale und im April bei der Handwerkskammer in Berlin ein. Danach herrschte Ruhe. Insofern hätten die Ermittlungen zumindest einen Erfolg bei der Gefahrenabwehr ergeben, sagte Herbst. „Wegen des hohen Fahndungsdrucks wurden keine weiteren hochgefährlichen Pakte, die Menschenleben gefährdet hätten, verschickt.“ (pde, dpa)