Die Fotos gingen um die Welt. Der Polizist Daniel Nivel liegt im französischen Lens während der Fußballweltmeisterschaft 1998 blutend am Boden. Halbtot geprügelt von deutschen Hooligans. Nivel ist seitdem schwerstbehindert. Einer der vier Täter war der gebürtige Brandenburger Christopher R., er wurde 1999 für die Gewalttat zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahre verurteilt. Nun steht der 39-Jährige erneut vor Gericht. Ab dem 9. März müssen sich er und drei Mitangeklagte wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor dem Berliner Landgericht verantworten. Sie sollen in großem Umfang mit synthetischen Drogen gehandelt haben. Christopher R. gilt als einer der Hauptangeklagten.

Der Prozess vor der 25. Großen Strafkammer findet unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. „Hintergrund ist die Hooligan- und Rockerszene“, sagt Gerichtssprecher Tobias Kaehne. Christopher R. hatte sich nach seiner Haftentlassung 2003 in Potsdam dem Rockerclub Hells Angels angeschlossen. Später zog er nach Mallorca, um dort ein Charter des Rockerclubs aufzubauen. Doch auf der Urlauberinsel bekam er offenbar Probleme mit der spanischen Rockerszene. Die Ermittler gehen davon aus, dass Christopher R. von Mallorca aus auch die Drogengeschäfte geregelt und mit den Hells Angels in Berlin in engem Kontakt gestanden habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft Christopher R. und seinen Mitangeklagten Maik J. (35), Eric J. (23) und Gerd M. (61) Drogenhandel im großen Stil vor. Laut Anklage handelten sie von Dezember 2012 bis Juni 2014 in großem Umfang mit synthetischen Drogen. Christopher R. und Maik J. sollen wiederholt größere Mengen an Chemikalien erworben und für die Herstellung von Drogen an illegale Labore in den Niederlanden geliefert haben. „Dafür sollen sie von dort Amphetamine und Ecstasy erhalten haben, dass für den Verkauf in Deutschland bestimmt war“, erklärt der Gerichtssprecher. Die beiden anderen Angeklagten sollen als Transporteure, Portionierer und Verteiler tätig geworden sein.

Mitte Juni vergangenen Jahres wurden die Tatverdächtigen gefasst. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei nahm Christopher R. fest. Bei Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler Chemikalien für die Herstellung von Drogen. So entdeckten sie unter anderem große Mengen Apaan, einem Grundstoff, aus dem Amphetamin wie etwa Crystal Meth hergestellt wird. Laut Anklage hätte die Chemikalie für 273 Kilogramm Amphetamin gereicht.

Christopher R. soll bisher zu den Vorwürfen geschwiegen haben. Dagegen soll sein Mitangeklagter Gerd M. gestanden und damit auch seine mutmaßlichen Komplizen belastet haben.