„Wir sind das Volk.“ Oder: „Vollende die Wende.“ Wer in Brandenburg unterwegs ist, kann die Plakate der AfD nicht übersehen. Sie erinnern an das Jahr 1989, an die friedliche Revolution. Sie erinnern? Nein, sie beuten die ostdeutsche Geschichte für den Wahlkampf aus. Das allein ist anmaßend genug.

Aber wer sind die Leute, die sich die ostdeutsche Geschichte zu eigen machen? Es ist die Führung der AfD: Alexander Gauland, ein Mann, so westdeutsch wie man nicht westdeutscher sein kann: Er machte Karriere in Bonn im Bundespresseamt und bei der FAZ in Frankfurt.

Jörg Meuthen, geboren in Essen im Ruhrgebiet, tief im Westen.
Björn Höcke geboren in Lünen, in Westfalen, tief im Westen.
Alice Weidel, geboren in Westfalen bei Gütersloh, tief im Westen.
Andreas Kalbitz, der Brandenburger Spitzenkandidat der AfD, geboren in München, tief in Bayern.

Alexander Gauland und Jörg Meuthen haben die Mauer nicht umgeworfen

Keiner von ihnen hat die Mauer umgeworfen. Keiner hat die Wende gelebt. Keiner musste 1989 auf die Straße gehen. 

Aber sie alle vergiften die Erinnerung an den 9. November 1989. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hält dagegen. Er nennt es eine „perfide Verdrehung der Geschichte“, was die AfD tut. Das macht ihn wahrscheinlich nicht überall beliebt. Er ist auch nicht das Volk, und seine Partei, die SPD, ist keine Volkspartei mehr. 

Doch zu diesem 30. Jahrestag des Mauerfalls wünscht man sich mehr Steinmeiers, die wissen, dass vor allem eins falsch ist: Denen hinterherzulaufen, die 30 Jahre nach der Teilung wieder teilen wollen. Jene Westdeutsche, die heute die AfD führen und so tun, als hätten sie damals die Mauer niedergerissen. Aber das waren andere.