Handtücher, Wasserschläuche und Eimer hängen an diesem Morgen aus den Fenstern der Grundschule im Hasengrund in Pankow. Zu Besuch ist die Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), sie trifft hier am Mittwoch auf genervte, empörte Eltern und Lehrer. Denn der Brandschutz an dieser Grundschule ist wie auch an vielen anderen Schulgebäuden im Bezirk mangelhaft. Vor einigen Wochen erst musste das Dachgeschoss der Schule gesperrt werden, zwei Klassenräume und die Schulbibliothek sind nicht mehr zugänglich, weil die Kinder im Brandfall von dort nicht gerettet werden könnten. „Dabei hatte man schon vor Jahren festgestellt, dass der Brandschutz dort nicht gewährleistet ist“, sagt Elternvertreter Andreas Zipperer. Doch bisher sei nichts passiert.

Tatsächlich hatte schon eine Brandschutzschau vor acht Jahren ergeben, dass im Fall eines Brandes der Unterricht im Dachgeschoss für die Schüler lebensgefährlich ist. Die dortige Brandschutztür sei mangelhaft, der Rettungsweg nicht ausgeleuchtet, ein zweiter Rettungsweg nicht frei und die Treppenhäuser nicht rauchdicht. Im ganzen Schulgebäude wurden noch viele andere Mängel festgestellt. „Aufgrund der Summe der Mängel kann sich Rauch im Brandfalle in kürzester Zeit im ganzen Schulgebäude ausbreiten“, hieß es im bezirklichen Bericht von 2006. Trotzdem wurde dort weiter unterrichtet, ohne dass die Schule baulich verändert wurde. Der einzige funktionierende Auslöser für den Feueralarm befindet sich derzeit übrigens im Schulsekretariat, das nicht immer besetzt ist.

Kein Einzelfall

Die Grundschule im Hasengrund ist kein Einzelfall. Auch viele andere Schulen in Pankow und anderen Bezirken sind nicht ausreichend geschützt. „Das Thema ist mir sehr wichtig“, sagt Stadträtin Zürn-Kasztantowicz. Leider werde in diesem Jahr das meiste Geld aus dem Sanierungsetat für die maroden Schultoiletten ausgegeben. Mit dem Brandschutz sei es kompliziert: Wenn man an einer Schule eine einzige kleine Baumaßnahme realisiere, würden sofort die neueren, noch schärferen Brandschutzbestimmungen gelten. Das sei ein großes Problem, umfassende Umbauten würden viel, viel Geld kosten.

Allein die Sanierung der Grundschule im Hasengrund kostet 4,9 Millionen Euro. Damit soll 2017 begonnen werden. Im Sommer sollen provisorische Brandmelder installiert werden, nachdem es zuvor von Seiten des Bezirks geheißen hatte, man könne doch auch Megafone verwenden. Gleichzeitig braucht Pankow wegen der drastisch steigenden Schülerzahlen wesentlich mehr Geld für Neu- und Erweiterungsbauten. Und auch das Mendelssohn-Bartholdy- oder das Delbrück-Gymnasium benötigen Millioneninvestitionen, um den Brandschutz zu gewährleisten. Ähnlich sieht es in der Grundschule in Wilhelmsruh, der Grundschule am Planetarium und anderen Schulen aus.

In Neukölln gibt Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) besonders viel Geld aus ihrem Etat für die Einhaltung des Brandschutzes aus. „Uns geht es darum, in Schulgebäuden einen zweiten Rettungsweg einzurichten“, sagte Giffey. Hier müsse noch viel getan werden. Leider gebe es aber allein ihrem Bezirk einen Sanierungsstau an Schulen von über 100 Millionen Euro. Stefan Komoß (SPD), Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, geht hingegen davon aus, dass alle Schulen in seinem Bezirk den Brandschutzbestimmungen entsprechen, die bei der Baugenehmigung galten. Er mahnt aber, dass an Schulen immer wieder Kopierer, abgestelltes Mobiliar oder Unterrichtsmaterial die Rettungswege versperren.

Schulen müssen wegen verschärfter Brandschutzbestimmungen auch feuerfeste und damit teure Bilderrahmen aufhängen, Mäntel und Jacken dürfen nicht mehr lose an Garderoben im Flur hängen.